DAS VOLKSTHEATER LÄDT NEUN INSZENIERUNGEN ZUR 13. AUFLAGE SEINES FESTIVALS „RADIKAL JUNG“ NACH MÜNCHEN EIN

Unbeschreiblich weiblich

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Den Auftakt des Festivals „Radikal jung“ am Münchner Volkstheater bestreitet das Hamburger Thalia Theater mit Leonie Böhms Inszenierung „Nathan die Weise“ mit Birte Schnöink und Johannes Rieder. Foto: Krafft Angerer

von katrin hildebrand. Sechs Frauen, drei Männer.

Das ist mal eine Quote. Auch für ein Theater. In den Niederungen der Volkshochschule malen und schauspielern zwar eher Mädels. Die große Kunst aber, also, der Bereich, in dem es Geld und Prestige zu holen gibt, ist in Herrenhand. Regie ist ein Männerberuf. Da sorgt das Volkstheater nun mit dem Programm seines 13. „Radikal jung“-Festivals für frischen Wind. Neun Stücke sind eingeladen, darunter eine Münchner Eigenproduktion, Nicolas Charaux’ Version von Kafkas „Schloss“. Erstmals seit seinem Debüt 2005 hat das Spektakel einen neuen Untertitel. Aus dem „Festival junger Regisseure“ ist das „Festival für junge Regie“ geworden. Das freut Münchens Kulturreferenten Hans-Georg Küppers: „Fünf Jahre lang habe ich angemahnt, den Titel zu ändern“, scherzt er. „Wer weiß, vielleicht wird es ja bald das Festival der jungen Regisseurinnen.“

So weit soll es freilich auch wieder nicht kommen. Das Programm, das von 28. April bis 7. Mai an der Brienner Straße 50 zu sehen sein wird, ist fürs Erste weiblich genug. Kuratiert wurde es wie immer von der Schauspielerin Annette Paulmann, dem Theaterkritiker C. Bernd Sucher und von Kilian Engels, dem Co-Direktor der Otto-Falckenberg-Schule. Zum Auftakt läuft „Nathan die Weise“, eine Produktion des Thalia Theaters Hamburg. Ja, ganz richtig, die Weise. Regisseurin Leonie Böhm hat den Lessing-Klassiker umgemodelt und Nathans Adoptivtochter Recha mit den „Handlungsspielräumen einer selbstbestimmten Person“ ausgestattet. Das eröffnet eine neue Sicht auf die Thematik.

Um Frauen geht es auch in „Stören“. Mit Laiendarstellerinnen widmet sich Suna Gürler „typisch weiblichen“ Ängsten und hinterfragt das gesellschaftliche Narrativ, das davon auszugehen scheint, dass Frauen belästigt, begrapscht, vergewaltigt werden. Trotz des ernsten Themas „ist es ein sehr optimistischer Abend“, beruhigt Festivalleiter Engels. Frauenbilder stehen zudem im Zentrum von Nora Abdel-Maksouds „The Making-of“. An patriarchale Machtstrukturen wagt sich das israelische Drama „Gott wartet an der Haltestelle“ heran, das Pinar Karabulut fürs Staatsschauspiel Dresden in Szene gesetzt hat. Besonders drastisch und sehr offen geht die freie Produktion „Cock, Cock... Who’s there?“ ans Werk. Eine Frau ringt nach zwei Vergewaltigungen um die Selbstbestimmung ihrer Sexualität. Die finnisch-ägyptische Künstlerin Samira Elagoz erzählt die berührende, erschütternde und verstörende Geschichte als dokumentarische Performance. Ihr Stück ist das einzige, das erst ab 18 Jahren besucht werden darf. Dass sich Regisseurinnen zum Glück nicht nur mit Frauenthemen auseinandersetzen müssen, beweist „Wenn die Rolle singt oder der vollkommene Angler“. Johanna Louise Witt hat die Hommage an die philosophischen Aspekte des Angelns fürs Thalia Theater inszeniert.

Außer Charaux sind in diesem Jahr zwei weitere Regisseure bei „Radikal jung“ vertreten. Experimentell und originell mutet Jan Philipp Stanges Produktion „Der 2. Mai 2017“ an, die logischerweise am 2. Mai zu sehen ist. Der Abend beginnt mit Aufzeichnung und Re-Inszenierung der aktuellen „Tagesschau“. Reale Ereignisse verquicken sich mit dem Leben einer Bühnenfigur. Auch Florian Fischers „Kroniek“ vom Genter Stadttheater basiert auf einer wahren Begebenheit. Ein Mann lag 28 Monate tot in seiner Wohnung. Keiner bekam etwas mit. Nur der Stromanbieter reagierte irgendwann – weil die Rechnungen nicht bezahlt wurden.

„Radikal jung“

vom 28. April bis 7. Mai;

Telefon 089/ 523 46 55.

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