Üppiges Angebot trotz Sorgen

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Zwei Elstern aus Meissener Porzellan (um 1735), Modell von Johann Joachim Kaendler.

Die 60. Münchner Kunstmesse beginnt an diesem Wochenende.

Von Ulrike Frick

Ist Deutschland ein Hort der Kunstinteressierten und Antiquitätenliebhaber? Wenn man sich die Menge an entsprechenden Messen ansieht, die Jahr für Jahr stattfinden, entsteht dieser Eindruck. Doch bei genauerer Betrachtung sieht die Sache anders aus. Unbestreitbare Tatsache ist, dass die Anzahl an qualitativ hochwertigen Kunstwerken zwar nicht weniger wird, der Kreis der potenziellen Käufer aber sehr wohl. Zwar gibt es nach wie vor jene Glücklichen, die sich ein Millionen teures Gemälde als Geldanlage anschaffen können. Kunstgold für den, der die Barren bereits im Tresor hat und vom Immobilienkauf längst gelangweilt ist. Doch in der Preisklasse darunter wird es deutlich dünner. Schuld daran sind nicht nur die entsprechenden Steuergesetze, die Kulturstaatsministerin Monika Grütters plant, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung. „Es besteht die Gefahr, dass der Mittelstand als Kunde wegbricht“, bestätigt Gerhard Charles Rump von der Kunstmesse München.

Angesichts dieser dunklen Wolken über der Branche ist es umso bemerkenswerter, dass diese Kunstmesse heuer zum 60. Mal stattfindet, erlesener bestückt und üppiger denn je. Den von außen eher prosaisch anmutenden Postpalast zwischen Circus Krone und Hackerbrücke haben die Veranstalter und die über 35 Aussteller bereits vor der Vernissage am Samstagnachmittag in einen wahren Musentempel verwandelt. Über den roten Teppich schreitet man in die runde Ausstellungshalle. Im Inneren mäandern die Wege quer durch die Epochen. Als Besucher kann man sich von der apulischen Amphore aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und den mittelalterlichen Holzreliefs, den mit winzigen Verzierungen versehenen, goldenen Tabaksdosen oder den Meissener Porzellan-Elstern begeistern lassen. Käuflich ist hier alles. Grundsätzlich. Vielleicht passt die Louis V-Kommode gut in den heimischen Flur, eventuell mit der Original-Tiffany-Lampe, darüber am besten ein Walchensee-Aquarell von Lovis Corinth? Oder lieber ein Siebdruck von Andy Warhol? Der Fantasie des Besuchers sind keine Grenzen gesetzt, denn auf Preisschilder verzichtet man in diesem gediegenen Ambiente oft.

Bei einer Schau wie der Kunstmesse ist es ohnehin eher unüblich, anders als beispielsweise bei der Kunst- und Antiquitätenmesse auf dem Nockherberg, sofort etwas mitzunehmen. Die Veranstaltung ist ein Forum zur Kontaktaufnahme. „Die Händler machen nach der Messe mehr Umsatz als während der Veranstaltung“, erklärt Rump. „Hier kommt keiner mit den Scheinen in der Plastiktüte“, wie er es auf internationalen Messen schon gesehen habe.

Eine unabhängige Expertenjury sorgte auch in diesem Jubiläumsjahr wieder dafür, dass keine Fälschungen und Kopien zu bestaunen sind – obwohl sich das natürlich nie wirklich ausschließen lässt. A und O sind daher meistens die möglichst lückenlos dokumentierte Provenienz des Stücks. Rump ergänzt: „Zu wissen, das stand noch bei Lord Suchandsuch auf dem Kaminsims, das war immer schon wichtig. Heute aber mehr denn je.“

Sonntag bis 1. November,

tgl. 11–19 Uhr, Wredestr.  10; Karte: 15 Euro; www.kunstmesse-muenchen.com.

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