Überschwang

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BR-Symphoniker, Herkulessaal.

Wie ein Sturmwind fegte Brahms’ Klavierkonzert Nr. 2 am Donnerstag durch den Herkulessaal und hinterließ fast atemlose Zuhörer. Am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks orientierte sich der gerade mal 28-jährige Dirigent Lahav Shani am Ungestüm des Werkes und brachte den mit herrlich sanftem Hornmotiv beginnenden Kopfsatz rasch zum Brodeln. Das Orchester ließ sich bereitwillig herausfordern, und der 70-jährige Rudolf Buchbinder, der sich im Kammerkonzert so feinsinnig zurückgehalten hatte, hielt locker mit dem jugendlichen Überschwang mit.

Wie ein Sog wirkte das kontrastreiche Allegro appassionato, in dem sich der Pianist auch auf die Zartheit der hohen Streicher einließ, bevor er dem kantablen Solo-Cello ins Andante folgte und neben aller Expression auch sanfte Triller beisteuerte. Der Dirigent sorgte für weiche Übergänge und gewährte auch den liedhaften Holz-Passagen Raum. Als hurtigen, leichtgewichtigen Ausklang servierten die BR-Symphoniker und ihr Artist in Residence das mit ungarischen Melodien und Rhythmen durchwirkte Finale.

Hernach spürte Shani ebenso feurig aufbrausend wie lyrisch verträumt Shakespeares Liebesgeschichte „Romeo und Julia“ nach. Aus Prokofjews Suiten Nr. 1 und Nr. 2 wählte der israelische Dirigent zehn das Geschehen spiegelnde Sätze aus. Zusammen mit dem groß besetzten Orchester und intensiven Soli (Bratsche, Holz) hauchte er der alle familiären Fesseln sprengenden Liebe von Romeo und Julia Leben ein und schreckte vor dem orchestralen Schmerzensschrei in Tybalts Tod sowie an Julias Grab nicht zurück. Großer Applaus. gabriele luster

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