Über den Tellerrand hinaus

Monatliche Stippvisite auf der Erde: Urban Priol (l.) und Emmanuel Peterfalvi alias Alfons. Gäste der Premierensendung sind Christine Prayon und Andreas Rebers. Foto: ZDF
+
Monatliche Stippvisite auf der Erde: Urban Priol (l.) und Emmanuel Peterfalvi alias Alfons. Gäste der Premierensendung sind Christine Prayon und Andreas Rebers. Foto: ZDF

Kabarett im Fernsehen . Zusammen mit Alfons präsentiert Urban Priol heute Abend erstmals seine neue ZDF-Sendung „Ein Fall fürs All“.

Von Rudolf Ogiermann

Er brachte im Jahr 2006 nach langer Pause das Kabarett zurück ins ZDF und machte – zusammen mit Georg Schramm und später Frank-Markus Barwasser – „Neues aus der Anstalt“ zu einem von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeiertem Format. Nach sieben Jahren übergab Urban Priol die Sendung im vergangenen Jahr an Max Uthoff und Claus von Wagner und nahm eine Auszeit vom Fernsehen. Doch nun ist der Mann mit der Starkstromfrisur zurück – und wieder auf dem Sendeplatz am Dienstagabend. Einmal im Monat präsentiert der 53-Jährige – zusammen mit Alfons alias Emmanuel Peterfalvi – künftig immer um 22.15 Uhr „Ein Fall fürs All“.

Die beiden „haben genug vom politischen Chaos auf der Erde und flüchten auf der Suche nach einer besseren Welt mit ihrem selbstgebauten Raumschiff in die unendlichen Weiten“, beschreibt der Mainzer Sender das Konzept: „Nur einmal pro Monat kommen sie zu einer satirischen Stippvisite auf der Erde vorbei.“ Dass eine Art Mini-Enterprise der Schauplatz einer Kabarettsendung ist, kommt nicht von ungefähr, wie Priol im Gespräch mit unserer Zeitung ergänzt: „Wer mit James T. Kirk, Mr. Spock und Pille McCoy aufgewachsen ist, für den waren die unendlichen Weiten immer ein Teil des Alltags“. Von Flucht, gar von Resignation könne allerdings keine Rede sein, betont der gebürtige Aschaffenburger: „Es gilt herauszufinden, ob es im Universum auch intelligentes Leben gibt.“ Wobei man sich angesichts „unserer verrückten Welt“ fragen müssen, was in diesem Zusammmenhang eigentlich „auch“ heiße.

Kompagnon Alfons, der Franzose mit dem berühmten „Puschelmikrofon“, ist mit Bedacht gewählt. Er stehe, so Priol, für eine gewisse Internationalität: „Da Europa und die Globalisierung mittlerweile auch Satire und Kabarett erreicht haben, sollte man über den Tellerrand der rein deutschen Politsuppe hinausschwappen. Was liegt da näher als eine deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion?“ „Die Anstalt“ und „Ein Fall fürs All“ auf dem gleichen Sendeplatz am Dienstagabend – von senderinterner Konkurrenz will der Kabarettist nicht sprechen. Das wäre nur der Fall, wenn beide Sendungen gegeneinander liefen: „Wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender wie das ZDF sein Satireangebot erweitert, kann ich das nur begrüßen.“ Themen gebe es genug für beide Formate. Mehr noch – der weltweite Irrsinn erfordere eigentlich ein tägliches Format – „wenn nicht gar ein stündliches.“

Das Kapitel „Anstalt“ ist für Priol, der mit seinem aktuellen Bühnenprogramm „Jetzt“ durch die Republik reist, abgeschlossen: „Die Kollegen machen das toll“, lobt der Kabarettist: Aber nach sieben Jahren Anstalt war es für mich einfach an der Zeit, den Kittel zu wechseln.“

Kommentare