Tschingderassabum

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Kirill Petrenko dirigierte Russisches im Akademiekonzert. Wenn Kirill Petrenko, der aus Omsk stammende Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, in Heimatklängen schwelgen will, dann muss es nicht Tschaikowsky sein.

Im Akademiekonzert lockte er mit Werken des 20. Jahrhunderts, und die Neugier war so groß, dass vor dem Nationaltheater etliche Karten-Sucher warteten.

In Riesenformation marschierte das Staatsorchester gleich zu Beginn auf und stürzte sich mit Tschingderassabum in die übermütige „Alte russische Zirkusmusik“ von Rodion Schtschedrin. In seinem Konzert für Orchester lässt der in München und Moskau lebende 81-jährige Komponist das große Ensemble in vielen Facetten brillieren. Das von Petrenkos Freude und Leidenschaft angefachte Orchester wirbelte die Zirkusstimmungen durcheinander: Da schepperte es witzig, keimten Tänzerisches und sanft Sentimentales auf, da mischte sich fröhliches Gezwitscher dazwischen – und die Musiker durften sogar im Takt klatschen und mitsingen.

Staunen war hernach angesagt bei Strawinskys Violinkonzert in D mit Julian Rachlin. Petrenko verausgabte sich nicht nur im Turbulenten, sondern auch als akribischer Feinarbeiter. Und so lotste er Solist und das Orchester durch alle rhythmischen Vertracktheiten, mit denen Strawinsky seine neobarocken Anklänge würzt. Ob in fingerbrecherischen Griffen und Sprüngen, in kleinen Kantilenen, im Ping-Pong mit Celli und Flöten oder im Wettstreit mit dem Konzertmeister David Schultheiß – Rachlin begeisterte, auch mit seiner Zugabe, einer Sonate von Ysaye.

Alexander Skrjabins Dritte geriet zum grandiosen klangmagischen Höhepunkt. Aus den „Kämpfen“ über die „Lust“ bis hin zum „Göttlichen Spiel“, zur Freiheit des Menschen, bewegt sich die Musik – frei nach Nietzsche. Martialische Aufgipfelungen kontrastierten mit geschmeidiger Eleganz, Wagner’scher Klangzauber mit der freudigen Entfesselung. Riesenjubel. gabriele luster

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