KONZERTKRITIKEN

Traumhaft

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Tigran Hamasyan, Prinzregententheater.

Es dauert fast eine Stunde, bis sich Tigran Hamasyan schüchtern ans Publikum im gut gefüllten Münchner Prinzregententheater wendet. Er dankt leise für die Aufmerksamkeit und die Möglichkeit, in einem so schönen Saal spielen zu dürfen. Das englische Wort für Veranstaltungsort wäre „venue“, aber Hamasyan sagt „space“, also Raum. Das mag nicht korrekt sein, passt aber viel besser zu Hamasyans Musik. Was der 30-jährige Armenier am Flügel und gelegentlich am Keyboard treibt, entzieht sich jeder einfachen Zuschreibung. Was man auf jeden Fall sagen kann: Er erschafft Klangräume, in denen man sich verlieren kann.

Ob man das nun Jazz nennen soll oder Avantgarde, ist völlig gleichgültig. Es ist schlichtweg betörend schön, wie sich Hamasyan durch seine traumhaften Stücke tastet, ohne in selbstverliebtes Virtuosentum abzudriften. Der Mann versinkt in seiner Musik, geht sichtlich in ihr auf, aber er weiß immer genau, was er tut. Ohne Berührungsängste lässt er elektronische Töne mit Piano-Kaskaden verschmelzen – und wenn es ihm passend erscheint, summt, singt oder pfeift er dazu. Purer Klang, der verzaubert und das Theater regelrecht zum Schwingen bringt. Man ahnt, weshalb Schwergewichte wie Herbie Hancock und Chick Corea sich als Fans bekennen. Gelegentlich wird Hamasyan mit dem genialischen Keith Jarrett verglichen, aber mit Verlaub, das wird dem Armenier eigentlich nicht gerecht. Denn er weiß genau, was er will und spielt ausdrücklich für das Publikum. Die Zuhörer bedanken sich mit frenetischem Applaus und Standing Ovations. Das bedeutet in München nicht immer etwas – aber in diesem Fall war es gerechtfertigt. zoran gojic

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