KULTURREFERENT KÜPPERS WILL BIS ENDE 2018 EINEN NEUEN CHEF FÜR DIE STÄDTISCHE BÜHNE FINDEN

Theater um die Kammerspiele

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Matthias Lilienthal verlässt die Kammerspiele 2020. ms

von michael schleicher. Geht es nach Hans-Georg Küppers, steht spätestens im Dezember fest, wer 2020 als Intendant der Münchner Kammerspiele auf Matthias Lilienthal folgt.

Das erklärte Münchens Kulturreferent gestern im Kulturausschuss. Zunächst will Küppers mit einer Gruppe aus je einem Vertreter der im Stadtrat vertretenen Fraktionen und Gruppierungen über das künftige „Profil der Kammerspiele“ diskutieren, um danach Kandidaten anzusprechen und einen neuen Theaterchef zu finden. „Es wäre schön, wenn das bis Ende des Jahres gelingt“, sagte Küppers. Eine offene Ausschreibung des Postens gibt es nicht, allerdings sind bereits Initiativbewerbungen im Kulturreferat eingegangen. Wie berichtet, hat sich unter anderen der Schauspieler und bildende Künstler Stefan Hunstein um die Leitung der städtischen Bühne beworben. Die Nachfolgersuche ist notwendig geworden, weil Lilienthal, der das Theater seit 2015 führt, im März erklärt hatte, dass er für eine Verlängerung seines Vertrags über 2020 hinaus nicht zur Verfügung stehe. Eigentlich wollte Küppers den 58-jährigen Berliner für weitere drei Jahre ans Haus binden. Lilienthals Entscheidung war die Erklärung der CSU-Stadtratsfraktion vorausgegangen, eine weitere Amtszeit des Intendanten nicht mittragen zu wollen. Seit dem München-Start des Theatermanns wird über (zu) wenige Zuschauer und die künstlerische Ausrichtung des Hauses gestritten, die das Performance-Theater ins Zentrum rückt.

Auf Antrag der Fraktionen von FDP und Grünen hat sich der Kulturausschuss nun nochmals mit dem Thema beschäftigt, wobei die Besucherränge im Großen Saal auffallend gut und auffallend jung besetzt waren. Wolfgang Heubisch (FDP) monierte, dass die Diskussion über Lilienthal nicht dort stattfinde, „wo sie stattfinden sollte: im Stadtrat“. Florian Roth (Grüne) forderte, übers „Anforderungsprofil“ für die städtische Bühne zu sprechen: Ende der künstlerischen Experimente oder aber künstlerische Zeitgenossenschaft?

Vor allem die CSU kämpfte gestern Nachmittag gegen die „Legende“ an, für Lilienthals Abschied verantwortlich zu sein: „Wir sollen als Sündenbock hingestellt werden“, sagte Marian Offman. „Dabei haben wir bei Weitem keine Mehrheit.“ Im Gegensatz zu Richard Quaas, dem kulturpolitischen Sprecher der CSU-Fraktion, ist Offman überzeugt: „Das künstlerische Experiment ist Motor des Theaters.“ Quaas hatte vor Kurzem im Gespräch mit unserer Zeitung für die Kammerspiele festgestellt: „Die Zeit der finanziellen und künstlerischen Experimente ist vorbei.“ Obwohl eine Auslastung des Theaters mit 63 Prozent „schon besorgniserregend“ sei, so Offman, seien das „keine Zahlen, bei denen der Kämmerer die Hände überm Kopf zusammenschlägt“. Denn da waren sich alle Stadträte einig: Der Erfolg eines Theaters dürfe nicht (nur) an seiner Wirtschaftlichkeit gemessen werden.

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