Der Teenie-Experte: Wie Jugendliche ticken

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Paul Bühre

Schenkt man Paul Bühre Glauben, ist jeder Schultag ein Kampf um Prestige und Anerkennung. Alles drehe sich in der zehnten Klasse darum, ob man zu der Gruppe der „Spätpubertierer, Weicheier, Nerds“ und der, „die nach einer schlechten Note in Tränen ausbrechen“ gehöre.

Oder ob man stolz Teil der „oberhammer-geilsten-krassesten Gangster-Antischul-Gruppe, in die alle rein wollen“ sei. Dabei wirkt er in seinem Pullover und unauffälligen Turnschuhen eher harmlos und freundlich als Gangster-mäßig. Er lacht und lächelt viel und bietet höflich Wasser und Kaffee an.

Der 16-jährige Berliner hat bei einem Schülerpraktikum in der Redaktion vom „Zeit Magazin“ einen Text über sich und seinen Alltag geschrieben, durch den ein Literaturagent auf ihn aufmerksam wurde. So ist sein Buch „Teenie Leaks – Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)“ entstanden. Die Illustrationen für das Buch hat Paul Bühre selbst angefertigt. Passend zu seinem Berufswunsch: Er könnte sich gut vorstellen, später Comiczeichner zu werden, sagt er. Der Titel des Buchs klingt nach einem Generationenporträt. Aber genau so will er sein Werk nicht verstanden wissen: „Menschen kann man nicht in Schubladen sortieren, dazu sind sie viel zu kompliziert und komplex und interessant.“

Und trotzdem scheint Paul Bühre nun dafür auserwählt zu sein, der Welt zu erklären, wie Teenager im Allgemeinen ticken. In Talkshows erzählt er zumeist interessiert dreinblickenden Erwachsenen von Gruppendynamiken auf Schulhöfen, dem Flirten via Facebook, jugendlichem Pornokonsum und dem Schwarmverhalten bei der Kleiderwahl – kurz: Alles darüber, was Teenies interessiert. Das öffentliche Interesse an seiner Person nimmt er gelassen und erzählt einfach, wie sein Alltag aussieht. Wer bei Teenagern an „Generation Porno“, pausenlos auf ihre Smartphones starrende oder sich im Dauerrausch befindende junge Menschen denkt – der wird von Paul Bühre entweder enttäuscht oder erleichtert sein. Die „FAZ“ nennt ihn einen „Bilderbuchjugendlichen ohne Rebellionspotenzial“. Nach Rebellion sucht man bei Paul Bühre tatsächlich vergeblich. Dafür hat er die Gabe, sich und seine Umgebung genau zu beobachten – mit dem gebotenen Abstand.

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