NEUERSCHEINUNG: IM ZEHNTEN KLUFTINGER-ROMAN DREHT SICH ALLES UM DIE VERGANGENHEIT DES KOMMISSARS

Der Tag, an dem sich sein Leben entschied

Von Axel Knönagel. Volker Klüpfel und Michael Kobr haben in der Figur des Hauptkommissars Kluftinger eine enorm populäre Marke geschaffen.

2003 erschien „Milchgeld“, der erste Roman um den eigenwilligen Kriminalpolizisten, sein Team und seine Familie. 15 Jahre und mehrere Millionen verkaufte Bücher später ist nun Roman Nummer zehn erschienen. Und der heißt einfach „Kluftinger“. Da gibt es folglich keinen Zweifel, um wen sich die Handlung dreht.

Wie üblich beginnt alles ganz harmlos. Es ist Allerheiligen, und der Kommissar beteiligt sich mit seiner Familie an den Feierlichkeiten in seinem Allgäuer Heimatort Altusried. Auf dem Friedhof bietet sich ein erschreckender Anblick: Auf einem frischen Grab steht ein Kreuz mit dem Namen des Kommissars.

Zum Jubiläum verraten Klüpfel und Kobr erstmals, wie ihre Hauptfigur mit Vornamen heißt. Irgendjemand trachtet dem Kommissar also nach dem Leben. Kluftinger, seine Familie und seine Kollegen sind entsetzt. Wer könnte ihn so hassen? Steckt vielleicht der „Schutzpatron“ hinter der Botschaft, jener Kunstdieb, der im sechsten Band der Romanserie Kluftingers Gegenspieler war? Schon bald drängt sich ein anderer Verdacht in den Vordergrund, der noch viel weiter in die Vergangenheit des Kommissars führt.

Ein kurzer Satz in einer auf ihn gemünzten Todesanzeige führt Kluftinger mehrere Jahrzehnte zurück. Ausführliche Rückblenden zeigen ihn als Jugendlichen, der versucht, seinen eigenen Weg im Leben zu finden, irgendwo zwischen den elterlichen Vorgaben und den Vorstellungen seiner Clique, in der er sich auch nicht richtig wohlfühlt. Bald vermutet Kluftinger, dass die Drohung im Zusammenhang stehen könnte mit „jenem Tag, an dem das Leben seine Weichen gestellt hatte“.

Kluftinger gräbt tief in seiner Vergangenheit, erinnert sich an sein damaliges Leben und an eine tragische Episode. Und er versucht, seine früheren Freunde aufzuspüren und herauszufinden, ob sie tatsächlich hinter den Drohungen stehen könnten. Je mehr er nach den Hintergründen sucht, desto mehr erfahren die Leser über sein Vorleben. Klüpfel und Kobr zeigen den späteren Hauptkommissar als jungen Streifenpolizisten in seinem Heimatort und an seinem ersten Tag als Kripochef in Kempten, aber auch als jungen Mann, der zum ersten Mal seine neue Freundin mit zu seinen Eltern bringt. All diese Erinnerungen vertreiben freilich die Gefahr nicht, die Kluftinger aktuell droht. Jeder Tag kann sein letzter sein. Kann er es sich überhaupt noch erlauben, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen? Und das, wo er doch ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft ist und auch Verpflichtungen hat, nicht zuletzt als Trommler in der örtlichen Blaskapelle?

„Kluftinger“ vereint viele unterschiedliche Handlungsstränge, die alle durch die Person des Kommissars verbunden werden. Neben den ernsten Aspekten, die für einige Spannung sorgen, bietet der Roman auch die gewohnten komödiantischen Passagen, etwa wenn Kluftinger wieder einmal mit seinem Familienleben oder der modernen Technik überfordert ist oder sich mit seinem ungeliebten Nachbarn Langhammer auseinandersetzen muss. Mit ihrem Jubiläumsroman haben Volker Klüpfel und Michael Kobr eine kleine Hommage an ihre Hauptfigur geschrieben. Vor allem aber ist „Kluftinger“ ein unterhaltsamer und spannender Krimi, der den Ansprüchen gerecht wird, die mit dem Namen des mittlerweile so berühmten Ermittlers verbunden sind.

Volker Klüpfel, Michael Kobr:

„Kluftinger“. Ullstein Verlag, Berlin, 475 Seiten; 22 Euro.

Live sind die beiden Autoren am 16. Mai in der Münchner Muffathalle zu erleben; Karten: 089/ 54 81 81 81.

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