Im Suhrkrampf

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Muss die Produktion abgesetzt werden? Szene aus „Baal“ in der Inszenierung von Frank Castorf. foto: thomas aurin

RESIDENZTHEATER  . Münchner Verhandlung über Castorfs „Baal“-Inszenierung – Verlag zeigt sich widerspenstig.

von ute wessels

Der Streit um die „Baal“-Inszenierung von Frank Castorf geht weiter. Der Suhrkamp Verlag will die Aufführung des Stückes am Münchner Residenztheater verbieten lassen und lehnte einen Vergleichsvorschlag des Richters am Mittwoch vor dem Landgericht München ab. Das Theater hatte in der Verhandlung vorgeschlagen, das Stück nicht über die bereits geplanten Termine im Februar und März sowie ein anschließendes Gastspiel beim Theatertreffen in Berlin hinaus zu zeigen.

Weiteres Angebot des Hauses: Man könne ja den Titel ändern, vor jeder Aufführung auf die Problematik hinweisen und sich beim Suhrkamp Verlag besonders bedanken. Der Richter legte dem Verlag nahe, auf diesen Vorschlag einzugehen. Mehrfach versuchte er daraufhin, Anwalt und Justiziarin des Suhrkamp Verlages von der Möglichkeit einer Einigung zu überzeugen und die bereits geplanten weiteren Aufführungen stattfinden zu lassen.

„Der Suhrkamp Verlag müsste auch noch hinnehmen, dass Tantiemen an den Verlag fließen“, sagte der Richter – sehr zur Erheiterung des Publikums. Die andere Seite lehnte einen Vergleich jedoch ab und verlangte eine Entscheidung des Landgerichts. Die Verhandlung dauerte bei Redaktionsschluss noch an. Als Vertreter der Erben von Autor Bertolt Brechts hatte der Suhrkamp Verlag beim Landgericht München eine Einstweilige Verfügung gegen die Inszenierung am Residenztheater beantragt. Bei Castorfs Interpretation handele es sich um eine „nicht autorisierte Bearbeitung des Stückes“. Der Regisseur hat dem „Baal“ zahlreiche Fremdtexte hinzugefügt. Die Produktion stieß auf heftige Kritik. Unser Rezensent urteilte: „Keine Provokation, kein Erkenntnisgewinn an diesem Abend.“ Die Inszenierung laufe ins Leere, „pendelt laut, doch nichtssagend zwischen Räucherstäbchen und Redundanz, Wasserbecken und Wackel-Kamera, Perücken und Petting, Düsternis und Dampf“.

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