Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Auf der Suche nach Unerhörtem

Deville Cohen und Hugo Morales Murguia überführen bei der Biennale mit „Underline“ Oskar Schlemmers „Triadisches Ballett“ ins Heute. von anna schürmer.

Im Jahr 1916 präsentierte Oskar Schlemmer sein von geometrischen Formen, automatischen Bewegungen und mechanischen Klängen inspiriertes „Triadisches Ballett“. 100 Jahre später überführten Deville Cohen und Hugo Morales Murguia bei der Münchener Biennale das Konzept ins multidimensionale 21. Jahrhundert: Mit „Underline“ schufen sie in Anlehnung an Edwin Abbotts Roman „Flatland“ eine kinetische Skulptur als musikalisches Objekttheater.

Auf der Bühne der ausverkauften Muffathalle rühren in schwarze Sportkleidung gewandete Performer an übergroßen Klangschalen. Eine davon stellt sich als Zuckerwattemaschine heraus. Aus dem süß-filigranen Gewebe werden abstrakte Formen gewebt. Bewegliche Zollstöcke werden zu geometrischen Gebilden, rosa Bälle in pantomimischen Gebärden zu einer Pyramide geschichtet, und aus Kreisen und Dreiecken wird ein neodadaistisches Karussell konstruiert. Dieser unerbittliche Produktionseifer verhallt nicht ungehört, vielmehr wird kinetische Energie in Schwingung und letztlich in Klang verwandelt.

Die Biennale hat heuer schon einiges an theatralem Spektakel geboten, „Underline“ aber wird durch Hugo Morales Murguias außergewöhnliche Klangmaschinen tatsächlich zu einem neuen Musiktheater. Aus PVC-Röhren und klangsensorischen Fußabtretern kreiert er elektroakustische Resonanzkörper, während Kontaktmikrofone die Körper der Darsteller zu musikalischen Robotern erweitern.

Auf der Suche nach Unerhörtem und einer Erweiterung der Vorstellungskraft wird der Mensch in dieser Produktion als Homo ludens präsentiert: angetrieben von einem kreativ überbordenden Spieltrieb sowie beseelt und bewegt von ästhetisch-kinetischer Energie.

Erst kurz vor dem Ende winkt dem Publikum ein nostalgischer Verweis auf das analoge Musikzeitalter: Auf einer von Darstellern gezogenen und diese ziehenden Drehscheibe sitzt eine Geige von zerbrechlicher Schönheit, die aus der erbarmungslos gleichmäßig tickenden Maschinerie ausbricht. Dieses Materialien, Formen, Körper, Licht, Videos und Klänge verschmelzende Musiktheater war nicht weltbewegend, aber in sich bewegt.

Kommentare