„Stimmbänder sind wie eine Unterhose“

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„Heißblütig und reizbar“: Pavol Breslik als Edgardo. foto: hösl

INTERVIEW ZUR PREMIERE  . Pavol Breslik singt den Edgardo in Donizettis „Lucia di Lammermoor“, Premiere ist heute im Münchner Nationaltheater.

Er ist ein Münchner Publikumsliebling und gehört mit seinen erst 35 Jahren schon zu den Gefragtesten seines Faches: Pavol Breslik. Der slowakische Tenor startete seine internationale Karriere im Ensemble der Berliner Staatsoper. An der Bayerischen Staatsoper singt er nun den Edgardo in „Lucia di Lammermoor“ an der Seite von Diana Damrau und unter der Leitung von Kirill Petrenko. Heute hat Donizettis Oper Premiere.

-Wissen Sie noch, was 2006 Ihre Debütrolle an der Staatsoper war?

Das war der Tamino am 6. Dezember. So was vergisst man nicht. (Lacht.) Diana Damrau war die Königin der Nacht. Also damals noch Schwiegermutter, jetzt endlich Geliebte!

-Es ist auch die erste Belcanto-Oper, die Kirill Petrenko in München dirigiert. Wie war die Probenarbeit mit ihm?

Ich durfte schon „Falstaff“ in Berlin und „Eugen Onegin“ in Wien mit ihm machen und liebe ihn sehr! Er ist einfach ein Dirigent, der den Sängern sehr hilft, mit ihnen atmet und sehr gründlich mit ihnen arbeitet.

-Wie ist es mit Regisseurin Barbara Wysocka?

Sie hat ja noch nicht viel Opern gemacht, da habe ich mich einfach überraschen lassen und war sehr angetan. Sie hat den Charakter von Edgardo ganz auf meine Person zugeschnitten.

-Was ist denn der Edgardo für ein Typ?

Sehr heißblütig und reizbar, auch weil ihn die Familiengeschichte sehr belastet. Aber er ist ja auf Versöhnung aus, möchte das Verhältnis zu Lucia offiziell machen und sich mit ihrem Bruder wieder vertragen. Als sie das ablehnt, bringt ihn das sofort wieder auf die Palme.

-Wenn er etwas besonnener vorgehen würde, hätte man einige Tote verhindern können...

Ja, aber das wäre schade! Denn dann gäbe es keine Wahnsinnsarie und auch keine Sterbeszene des Edgardo. Und die ist doch musikalisch mit die Schönste! Man muss den Abend über sehr kontrolliert singen und nicht zu viel Saft geben, damit man da noch Kraft übrig hat.

-Sie wagen sich langsam in das lyrisch-dramatischere Fach vor. Gounods Faust haben Sie gesungen, Massenets Des Grieux bereiten Sie vor. Soll da die Reise hingehen?

Ich schaue, dass ich solche Partien nicht zu oft und hintereinander singe. Aber ursprünglich war das alles für lyrische Tenöre geschrieben, die Orchester waren ja nicht so laut. Alfredo Kraus und Nicolai Gedda beispielsweise haben diese Partien auch gesungen und hatten lyrische Stimmen. Natürlich braucht man Sängerdirigenten, da gibt’s leider nicht viele.

-Sie singen nach wie vor viel Mozart, obwohl Sie früher gesagt haben, den singen Sie nur bis 30.

(Lacht.) Weil ich ihn zu Beginn meines Studiums gehasst habe. Aber heute weiß ich: Mozart ist das Schwierigste. Man hört jeden technischen Fehler, jede kleine Ungereimtheit in der Stimme. Ich will Mozart in jedem Fall so lange singen, wie ich kann. Das ist wie eine Garage, in die ich zum Ölwechsel gehe. Man muss nämlich schon aufpassen, gerade mit dramatischen Ausflügen. José van Dam hat mal gesagt: „Die Stimmbänder sind wie eine Unterhose. Sie haben einen elastischen Gummizug, den man aber nicht zu weit dehnen darf. Sonst verlieren sie die Form...“

-Wie schafft man es denn, die Stimme durch sechs Wochen Probenzeit hindurch bis zur Premiere frisch zu halten?

Das ist tatsächlich nicht einfach. Bei uns war in den sechs Wochen jeder einmal krank. Ich finde, es wird schon zu lange geprobt. Man will ja alles geben und verbraucht dann sehr viel Kraft auf einen langen Zeitraum, auch durch das ständige Wiederholen. Viele Regisseure sind das halt vom Schauspiel so gewohnt. Drei Wochen konzentrierte Arbeit halte ich aber für ausreichend. Man kommt ja schon gut vorbereitet an und ist schließlich Profi.

-In München gastieren Sie sehr oft. Ist die Stadt ein bisschen Heimat?

Das war 2006 Liebe auf den ersten Blick. Auch wenn andere Theater beleidigt sind: Es ist das einzige Haus, in dem solch eine familiäre Atmosphäre herrscht. Man fühlt sich von allen willkommen, vom Pförtner bis zum Intendanten. Keiner übt übertriebenen Druck aus. Alle ziehen an einem Strang. Nur so kann wirklich Kunst entstehen und drum kommen alle Sänger so gerne hierher.

Das Gespräch führte

Maximilian Maier.

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