Stille – vorerst

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An den Kammerspielen endete „The Rest is Noise“. von andrea steiler.

Wie klingt sie, die Musik der Stunde Null? Ist sie das in instrumentale Laute gefasste Zwitschern der Vögel oder ein unstrukturiertes Aneinanderreihen? „Von jedem etwas“, wird man nach dem Abend in den Münchner Kammerspielen sagen. Wie sehr politische und soziale Entwicklungen die Musik der Moderne beeinflusst haben, war dort seit November in dem Lesemarathon „The Rest is Noise“ zu erleben. Am Mittwoch wurde der vierte Teil – und damit der letzte für diese Spielzeit – aufgeführt.

Wie in den vergangenen Vorstellungen braucht es für diese Abende ein paar Hocker, Instrumente, etwas Technik und ein wahnsinnig gutes Ensemble – allen voran Wiebke Puls. Als US-Musikjournalist Alex Ross, von dem die Vorlage, das gleichnamige Buch, stammt, thront sie am Ende des in den Raum ragenden Stegs und führt das Publikum durch die Musikgeschichte der Moderne.

Hat man den Lesemarathon bei der Umbruchzeit zwischen Fin de Siècle und avantgardistischen Bewegungen des noch jungen 20. Jahrhunderts begonnen, befinden sich Puls und ihre Kollegen – dieses Mal sind es nur Männer – zunächst im Jahr 1941, im Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A. Olivier Messiaen (Wolfgang Pregler) komponiert dort sein „Quatuor pour la fin du temps“ („Quartett an das Ende der Zeit“), lässt den Zuhörer an seinen Empfindungen teilhaben. Den Beleg für die Großartigkeit des Werkes erbringen auf der Bühne Sachiko Hara (Piano), Gertrud Schilde (Violine), Klaus Kämper (Violoncello) und Oliver Klenk (Klarinette).

Regisseur Johan Simons widmet John Cage nahezu die gesamte zweite Hälfte des Abends. Bei ihm wird die Struktur der Musik über Bord geworfen. Klarheit und Regeln stehen der Form – mit ihrer Eigenschaft, die Freiheit zu haben, einfach da zu sein – gegenüber. Der Abend ist keine Lesung im klassischen Sinn. An den kleinen Filmen, wie der vom Auftritt Cages in der amerikanischen TV-Show „I’ve got a secret“, haben Zuschauer und Schauspieler scheinbar gleichermaßen Vergnügen. Denn das ist wohl das Geheimnis auch dieser Etappe – die Mitwirkenden haben selbst Spaß an ihrem Tun.

„The Rest is Noise“

wird in der Spielzeit 2014/15 an den Münchner Kammerspielen fortgesetzt.

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