Stille für einen Großen

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Die Münchner Philharmoniker mit Kent Nagano und Till Fellner würdigten Claudio Abbado „Für Claudio Abbado“: Kent Nagano widmete sein Konzert mit den Münchner Philharmonikern seinem am 20.

Januar verstorbenen Kollegen: Im Andenken an Abbado sollte im ersten Teil nicht applaudiert werden. Die so entstandene Stille war nicht nur eine Würdigung der besonderen Art, sondern wurde auch zu einem solchen Konzerterlebnis.

Scharfe aphoristische Böen erzeugen in Alban Bergs „Drei Orchesterstücken“ einen wechselhaften Wellengang, den der Surfer Nagano elegant nahm. Nach einem Atemholen folgte Gustav Mahlers Liebeslied an seine junge Frau Alma, das mondklangglitzernde Adagietto seiner Symphonie Nr. 5. Im Anschluss an eine spannungsgeladene Flaute baute sich dann mit Maurice Ravels „La valse“ die nächste Klangwelle im Dreivierteltakt auf, bevor sich die Spannung im gut gefüllten Gasteig nach dem bezaubernd morbiden Grabgesang auf das alte Wien endlich in bewegtem Beifall entladen konnte.

Die Abbado gewidmete Stille hatte auch einen Reiz. Sanft rollte die musikästhetische Woge nach Alban Bergs immer noch aufrüttelnder Ästhetik rückwärts. Harmonisch verpackte der auch als Dramaturg begabte Nagano das unbequeme Repertoire und verwischte mit seinem eleganten Fingerzeig die einst schockierenden Brüche der neueren Musikgeschichte.

Die Rolle rückwärts endete auf sicheren Beinen bei Johannes Brahms’ erstem Klavierkonzert. Am Flügel durfte sich Till Fellner beweisen, der noch unter Abbado gespielt hatte. Aber nach der betörenden ersten Hälfte war die Fortsetzung ein gewöhnliches Konzertereignis, interpretiert von einem außergewöhnlichen, pedalverliebten Pianisten, begleitet von einem Klasseorchester und geleitet von einem inspirierten Dirigenten. Anna Schürmer

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