DIE KATHOLISCHE AKADEMIE BAYERN ZEIGT DIE SCHAU „KRAFT – KÖRPER – FORM“ MIT SKULPTUREN UND ZEICHNUNGEN ALF LECHNERS

Der Stahlforscher

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Von Freia Oliv. Gut 80 seiner Skulpturen sind im öffentlichen Raum allein in Deutschland zu finden: Alf Lechner (1925-2017) ist einer der Künstler, an dem keiner vorbeikommt.

In mehrfachem Sinne: Denn seine riesigen Stahlblöcke sind unübersehbar – und sorg(t)en immer wieder für Diskussionen. Die Wucht und der oft rostige Minimalismus haben so manche Stadtratsposse ausgelöst.

Auch in München setzte der Bildhauer bei den Pinakotheken, am Gasteig sowie am Flughafen Marksteine. Und nun auch vor und in der Katholischen Akademie: Dort sind drei Stahlarbeiten mit insgesamt rund 90 Tonnen Gewicht zu sehen – eine Reihe von Zeichnungen geben zudem einen Einblick in Lechners Spiel mit Raum und Form, mit Schwere und Leichtigkeit.

Es ist die erste Ausstellung nach dem Tod des Künstlers vor einem Jahr außerhalb des Lechner Museums in Ingolstadt und des Skulpturenparks Obereichstätt. Vor 50 Jahren fing die Karriere des Künstlers in München mit seiner ersten Einzelpräsentation an. Und genau gegenüber der Akademie an der Mandlstraße wuchs Alf Lechner auf. In der gleichen Straße nahm der Marine- und Landschaftsmaler Alf Bachmann den talentierten Burschen unter seine Fittiche. Später renovierte Lechner das Eckhaus für sich und seine Familie und konnte quasi vom Fenster aus den Bau des Kardinal-Wendel-Hauses der Akademie verfolgen.

Damals war noch nicht klar, dass Lechner einmal der Inbegriff für die kraftvolle Schlichtheit der Stahlskulptur werden würde, dass er seine Lebensaufgabe in der Erforschung des Stahls und des Kubus sowie des Würfels finden sollte. Den perfekten Umgang mit dem Material lernte er zunächst als Schlosser, er arbeitete als Gebrauchsgrafiker, war im Messebau tätig, gründete eine Firma für Lichttechnik und Metallverarbeitung, hatte Erfolg mit Erfindungen wie Operationsleuchten für Zahnärzte. Im Jahr 1962 mit seinem Umzug an den Starnberger See erfüllte er sich seinen Traum und widmete sich fortan ganz der Kunst. Es folgten Preise und Professuren und als Krönung des Werkes das Museum in Ingolstadt und der Skulpturenpark in Obereichstätt. Die Kraft, mit der Lechner seine Ziele durchsetzte, diese Kraft ist auch in seinen Werken zu sehen.

Klarheit und Stringenz strahlt der hochaufragende, verzahnte Kubus vor der Akademie aus. Im Akademiegarten, in dieser grünen Oase, umgeben von Vogelgezwitscher und Lindenduft, fügt sich Lechners zweite Stahlarbeit der letzten großen Werkgruppe von 2014 erstaunlicherweise auch harmonisch ein. Der horizontal ausgerichtete Block vermittelt Ruhe, fast wie eine Bank, die verschiedene Ebenen auslotet. „Ich will durch planmäßige Zerlegung, Verbiegung und Neuordnung der Teile einer einfachen Form systematisch geordnetes Denken sinnlich wahrnehmbar machen“, sagte Lechner einmal. Allen seinen Arbeiten gehen viele Entwurfsschritte wie Zeichnungen und Styropor-Modelle voraus.

Die Zeichnungen in der Akademie sind denn auch akkurat, präzise, aber trotzdem beschwingt. Sie widmen sich den Grundformen und immer wieder der Analyse des Quadrates und des Würfels. Ein Teil davon ist in dicken Grafitstrukturen fast reliefartig aufgebaut, erzeugt glänzend graue Oberflächen, lässt die Handschrift erkennen und ist doch aus der Ferne blanke, geometrische Fläche. Die Begegnung der schimmernden Flächen, Verschmelzung und Trennung, sind mit den Nahtstellen der Kartons bewusst inszeniert, ebenso wie die Freiräume. Diese „Klavierdeckelzeichnungen“ sind in Rom 1994 entstanden, wo wirklich ein alter Klavierdeckel das Lineal ersetzen musste. So banal, so humorig. So konkret.

Bis 9. September,

Montag bis Freitag 9-17 Uhr; Telefon 089/ 38 10 20.

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