Mit Spaß am Spiel gegen die Klischees

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München: Das Justizgebäude Neue Maxburg von Sep Ruf und Theo Pabst an Lenbachplatz und der Pacellistraße.

Ausstellung Das Münchner Haus der Architektur zeigt Fotografien von Hans Engels über die „Architektur der Fünfzigerjahre“

Von Simone Dattenberger

Sehr gern hätte man viel mehr gesehen von „Architektur der Fünfzigerjahre“. Diese kleine Ausstellung mit 25 Fotos von Hans Engels im Haus der Architektur an der Münchner Waisenhausstraße (Bayerische Architektenkammer) macht Lust auf mehr. Schon der knappe Einleitungstext von Axel Tilch schüttelt erfreulicherweise viele Klischees über die Fünfziger ab. Denn er weist auf den Schwung dieser Jahre hin, der vom Design über Musik bis zur Architektur sauste. Nix von den Stereotypen: Adenauer-Restauration, Spießigkeit, fettes Wirtschaftswunder, NS-Verdrängung. Es gab eben auch Rock’n’Roll, Freiheit für die Frau, und sei’s bloß durch die Waschmaschine, Halbstarke und Autos für recht viele Leute. Und die Demokratie streckte sich und wuchs heran.

Die gezeigten Aufnahmen machen deutlich, dass die Baumeister – obwohl sie selbst zum Teil zu Nazi-Zeiten wohlgelitten waren – sich von jenem eher trutzigen Kompakt-Stil abwandten. Sie ventilierten für ihre Ideen natürlich die Bauhaus-Klassiker, aber auch Anregungen aus Skandinavien, der Schweiz oder den USA. Regionale Stile wurden genauso miteinbezogen, wie Tilch anmerkt. Es entstand also eine erstaunliche Stilvielfalt. Und diese malt uns die Schau schön aus. In München kennen wir selbstverständlich unseren eleganten, luftigen, dezenten Sep Ruf. Als Beispiel wird das Justizgebäude Neue Maxburg (1953-1957, mit Theo Pabst) gezeigt mit einem Foto von der wundervoll beschwingten Innenhalle, die das Äußere des Gebäudes bei weitem an Schönheit übertrifft, und eine Ladensituation. Ruf selbst wird noch einmal mit der filigranen Nürnberger Kunstakademie präsentiert.

Ansonsten streifte Engels durch Deutschland und dokumentierte mit seiner Kamera Wohngebäude und Tankstelle, Waschhaus und Bürobau, Kirche und Brücke, Theater und Museum, Kongresshalle und das Café Moskau – in Berlin. Damit ist schon angedeutet, dass es auch Beispiele aus der DDR gibt, die sich übrigens nicht von denen im Westen unterscheiden. Die großzügige Treppenanlage des Speisehauses des „VEB Entwicklungsbau Pirna“ (1956-1958) vom Projektierungsbüro Süd Dresden ist genauso schwungvoll wie das in München. Und der Tütenlampen-Lüster ist schlichtweg eine Schau. Überhaupt huldigt die Ausstellung dem Spieltrieb der Architekten: Beim Junior-Haus am Kaiserplatz in Frankfurt am Main (1951, Wilhelm Berentzen) klemmen zwei Gebäudezwingen einen schlanken Glasturm mit Spiraltreppe ein. Egon Eiermann stanzte für die Pforzheimer Matthäuskirche (1951-1954) viele, viele kleine Fensterrundungen in den Beton; durch die bunten Scheiben leuchtet das Licht, als säße man im Kaleidoskop. Und für seine Schwanentorbrücke (1950, Duisburger Hubbrücke) zitierte Hans Siegfried Persch einerseits die altertümliche Klinkerbauweise, betonte andererseits gerade  in  der  Schlankheit die moderne Funktion der vier Türme.

Was Engels ebenfalls verzeichnet, ist der lieblose Umgang mit so manchen Bauten. So werden sie schleichend zerstört. Das macht traurig.

Bis 5. Juni,

Mo.-Do. 9-17 Uhr, Fr. 9-15 Uhr; Waisenhausstraße 4; Buch: „Aufbruch! Architektur der Fünfzigerjahre in Deutschland“, Prestel, 160 Seiten; 39,95 Euro.

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