DANIELE RUSTIONI LEITETE DAS FÜNFTE AKADEMIEKONZERT

Spannend

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von maximilian Maier. Der 35 Jahre alte Mailänder Daniele Rustioni mausert sich beständig zu einem der wenigen jungen Operndirigenten, die aufhorchen lassen.

Das war schon 2015 bei seinem „Rigoletto“-Dirigat an der Bayerischen Staatsoper so, und auch jetzt, bei seinem ersten Akademiekonzert, fällt er in mehrerlei Hinsicht auf. Schon optisch: Betont locker, breit lächelnd schlendert er ans Pult und erweckt fast den Eindruck eines „Bruder Leichtfuß“.

Aber sobald er den Taktstock zur siebten Symphonie von Dmitri Schostakowitsch, der „Leningrader“, hebt, ändert sich das Bild. Aus der jovialen Entspannung kreiert Rustioni eine Atmosphäre gespannter Konzentration. Ihm gelingt es, mit klarer Schlagtechnik und feinem Klanggespür die verschiedenen Farben der elf Marschthema-Variationen im ersten Satz zum Leuchten zu bringen und durch eine ökonomische Dosierung die breit angelegte, gewaltige Steigerung wirklich nachvollziehbar zu machen. Außerdem zeigt sich: Rustioni vertraut dem Bayerischen Staatsorchester und versucht nicht, krampfhaft das Ruder an sich zu reißen. Er kann dem Orchester dienen, ohne die Führung zu verlieren. Ein schmaler Grat, der musikalische Reife erfordert. Dazu gesellt sich eine schlüssige gestalterische Eigeninitiative, wie im Adagio, bei dem Rustioni dynamische Extreme einfordert. Er macht die Emotionen und Affekte dieser so plastischen Symphonie nachvollziehbar.

Im zweiten Violinkonzert von Sergej Prokofjew gelingt das am schlüssigsten im Mittelsatz. Wenn sich hier das Orchester und Solist Vadim Gluzman rhythmisch raffiniert ergänzen, kommt die Musik ins Schweben. Gluzman ist ein stupender Techniker, das führt er im dritten Satz eindrucksvoll vor, der über einen auffallend reinen, unverstellten Ton verfügt. Diese fast puristische Klarheit schafft es aber nicht, durchgängig den Ausdruck zu vermitteln, der den feurigen Rustioni auszeichnet. Seit dieser Spielzeit ist er Chefdirigent der Oper in Lyon, also beim künftigen Staatsintendanten Serge Dorny. Ob er ab 2021 häufiger zu Gast in München sein wird? Spannend wär’s.

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