Soli und Seele

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Allein mit ihrem Instrument: Melissa Etheridge stellte sich solo ihrem Publikum – und überzeugte. Foto: agentur

Von dieser Frau kann man noch eine Menge lernen. Denn Melissa Etheridge hat’s einfach drauf: Beim Auftaktkonzert ihrer Solo-Tournee in der Münchner Muffathalle zeigte die sympathische, oft als „Vorzeige-Lesbe“ apostrophierte Sängerin und Songschreiberin, dass sie vor allem eine Vollblut-Musikerin ist.

Sie bestritt zwei Stunden Programm völlig allein, kreierte live mit diversen Perkussionsinstrumenten für jedes Lied einen eigenen Rhythmus-Loop, bisweilen ergänzt durch einen Riff, zu dem sie dann spielte und sang.

Bisweilen griff sie zur Mundharmonika, zwei Mal setzte sie sich auch an den Steinway-Flügel (unter anderem für eine verführerisch-wehmütige Version des Joan-Armatrading-Klassikers „The Weakness in Me“). Doch in erster Linie bearbeitete sie souverän mehr als ein halbes Dutzend sechs- und zwölfsaitige Gitarren, schrammelte fetzige Rhythmen, gniedelte melodiöse Soli und sang sich schier die Seele aus dem Leib.

Ihre markante, perfekt sitzende und wunderbar gereifte Schmirgelstimme fährt noch immer unter die Haut; ihre stilistische Bandbreite reicht von berührenden Balladen bis zu rotzigen Roots-Rock-Krachern, die nach abgewetzten Jeans und Sex auf der Rückbank klingen.

Dass ihre grundsolide, ehrliche, handgemachte Musik live noch mehr zündet als auf Platte, liegt daran, dass die 53-Jährige auf der Bühne zwei entscheidende Dinge richtig macht.

Erstens: Sie hat einen Mordsspaß an der Sache, der sich unmittelbar aufs Publikum überträgt. Sie ist eine Rampensau, die es sichtlich genießt, mit den Fans zu flirten, zu spielen, zu improvisieren. Auf Wunsch interpretiert sie spontan „Similar Features“; technische Probleme meistert sie mit Charme und Witz: „Willkommen zum ersten Konzert meiner Tour! Heute kriegt ihr alle Fehler kostenlos dazu!“

Zweitens: Sie präsentiert jeden Song so leidenschaftlich, als hätte sie ihn soeben erst geschrieben. Das gelingt ihr in München nicht etwa nur bei vier Nummern aus ihrem aktuellen Album „This is M.E.“, sondern erstaunlicherweise auch bei sechs eigentlich längst abgenudelten Liedern ihres Debüts von 1988 – darunter eine taufrische, mit 100 000 Volt Liebesschmerz aufgeladene, elektrisierende Maxi-Version des Mega-Hits „Like the Way I do“. Großartig. So muss man’s machen!

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