INTERVIEW MIT VERBANDSCHEF FRANK ÜBERALL ÜBER ZUNEHMENDE VERBALE GEWALT GEGEN SEINE KOLLEGEN UND DAS GRUNDRECHT DER PRESSEFREIHEIT

„Die Situation für Journalisten spitzt sich zu“

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Wenn die Stimmung bei Demonstrationen aggressiv wird, sind Fotografen und Kameraleute nicht selten das Ziel von Angriffen.

Oder aber Demonstranten, die nicht im Bild zu sehen sein wollen, fordern die Polizei auf, gegen Journalisten einzuschreiten – wie bei der Pegida-Demo gegen Kanzlerin Merkel am 16.  August in Dresden (wir berichteten). Ein Gespräch mit Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes (DJV), über die verbale Gewalt gegen seine Kollegen.

-Demonstranten, die sich gegen Aufnahmen wehren und sich an die Polizei wenden – das passiert offenbar immer häufiger.

Ja, das scheint eine neue Masche zu sein. Daneben ist verbale Gewalt für die Kollegen vor allem bei Demos von Rechten mittlerweile Alltag. Gewalttätige Übergriffe kommen immer wieder vor. Die Polizei muss dafür sensibilisiert werden, schließlich geht es darum, das Grundrecht der Pressefreiheit zu schützen.

-Reagiert die Politik in Ihren Augen zu zögerlich?

Manche Politiker wollten lange nicht glauben, dass sich die Situation für Journalisten derart zuspitzt. Schon in der Vergangenheit mussten Redaktionen Bodyguards mit ihren Fernsehteams raus schicken, weil die Situation sonst zu gefährlich gewesen wäre.

-Steckt dahinter ein verabredetes Vorgehen?

Ich gehe fest davon aus. Schließlich lehnen die Radikalen der rechten Szene das demokratische System ab – weshalb sie die Medien als „Lügenpresse“ und „Systempresse“ verspotten. Unabhängige Medien sind die Lebensader der Demokratie. Wer die Demokratie ablehnt, lehnt auch Medienvertreter ab. Mit pseudo-juristischen Argumenten gelingt es zuweilen, Verwirrung zu stiften – etwa wenn es um das Recht am eigenen Bild geht. Das aber ist bei öffentlichen Demos rechtlich ganz anders zu bewerten als bei privaten Veranstaltungen.

-Wie sollten sich Journalisten verhalten?

Wichtig ist es, selbst mit der Polizei Kontakt aufzunehmen, wenn man über potenziell schwierige Demos berichtet. Gegen unberechtigte Anzeigen kann man sich kaum wehren, ich vertraue da aber auf den Rechtsstaat.

Interview: Andreas Heimann

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