TRAUER UM DEN BAYERISCHEN WELT-BILDHAUER FRITZ KOENIG, DER IM ALTER VON 92 JAHREN STARB

Sehnsucht nach Harmonie

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Ein Museum schuf sich Fritz Koenig in Landshut; hier der Künstler mit dem Modell von „Sphäre“ fürs World Trade Center.

von simone dattenberger. Die Kugel als Traum von Vollkommenheit, Harmonie, Schönheit.

Nichts eckt an – buchstäblich. Fritz Koenig, der fränkische Niederbayer, liebte die Kugel. Aber er wusste auch, dass ihre Perfektion für den Menschen unerreichbar ist. Dieser Konflikt war für ihn als Künstler, insbesondere als Bildhauer, wundervoll fruchtbar. Er verband in immer neuen Formen die Unantastbarkeit dieser stereometrischen Größe mit der Verletzlichkeit unseres Seins. Nun ist auch er, der Grenzgänger zwischen mathematischer Absolutheit und saftiger, indes hinfälliger Körperlichkeit, der Endlichkeit erlegen. Fritz Koenig starb am Mittwochabend in seinem Altdorfer Haus bei Landshut im Alter von 92 Jahren.

Am schrecklichsten wurde die Vergänglichkeit, an die der Künstler oft gemahnte, allen bewusst, als die Türme des New Yorker World Trade Centers nach dem islamistischen Attentat 2001 einstürzten und das über tausende von Menschen Tod und Leid brachte. Koenigs Plastik „Sphäre“ (1967/71), eine Mischung aus brüchiger Erdkugel, Gehirn und Sternbahnen-Modell, war unter den Trümmern begraben. Und „überlebte“. Die ewige Kugel, geschunden zwar, aber ein Symbol des Lebenswillens.

Fritz Koenigs bodenständige Modernität machte ihn zu einem international gesuchten Bildhauer. Der gebürtige Würzburger, der sich im Lebensabend ein eigenes Museum in Landshut, nahe bei seinem Wohnsitz schuf, hatte in München studiert. Hier sind daher im öffentlichen Raum sehr viele Arbeiten zu finden. Da ist unter anderen – auch frühe Skulpturen aus den Fünfzigerjahren – der „Klagebalken“ im Olympiapark, da sind die tänzerischen Kugel-Stelen etwa im Pinakotheken-Park und Kabinettsgarten der Residenz, und man findet eine Kreis-Faltung im Innenhof der TU.

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare