DER STUDIERTE AGRARINGENIEUR PETER KLOEPPEL FEIERT MORGEN SEIN 25. DIENSTJUBILÄUM IN DER SENDUNG „RTL AKTUELL“

Vom Schweinestall ins Nachrichtenstudio

Für seine souveräne Moderation bei den Anschlägen vom11. September 2001in den USA erhielt Peter Kloeppel den Grimme-Preis. Fotos: DPA
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Für seine souveräne Moderation bei den Anschlägen vom11. September 2001in den USA erhielt Peter Kloeppel den Grimme-Preis. Fotos: DPA

von Cornelia Wystrichowski. Er zählt zu den bekanntesten deutschen TV-Journalisten und ist der dienstälteste Anchorman der Fernsehrepublik: Peter Kloeppel.

Morgen feiert der 58-Jährige ein Jubiläum als Chefmoderator von „RTL aktuell“. Schon seit 25 Jahren präsentiert er die Hauptnachrichten des Kölner Privatsenders – insgesamt mehr als 5000 Mal erklärte er den Zuschauern das Weltgeschehen.

Dabei hatte Peter Kloeppel ursprünglich einen anderen Berufsweg eingeschlagen: Er studierte in Göttingen Agrarwissenschaften und hat einen Abschluss als Agraringenieur. Thema seiner Diplomarbeit war das Verhalten von Ferkeln. Kloeppel kam 1958 in Frankfurt am Main zur Welt. Für sein Studium absolvierte er ein Praktikum auf einem Bauernhof, er kann Traktor fahren und ein Huhn schlachten. Irgendwann beschloss er, nicht etwa Landwirt zu werden, sondern Agrarjournalist, und besuchte eine Journalistenschule. 1985 ging Kloeppel als Praktikant zum damals als Schmuddelsender geltenden RTL, der im Jahr zuvor gegründet worden war und erst 60 Mitarbeiter hatte. Kloeppel nutzte die Chance, die der aufstrebende Laden ihm bot, und machte eine steile Karriere: Er wurde zunächst Leiter des Bonner Studios, dann USA-Korrespondent in New York und 1992 schließlich Chefmoderator von „RTL aktuell“.

Die Nachrichtensendung hat sich seit ihren Anfängen deutlich verändert. Als die Privatsender noch in den Kinderschuhen steckten und es darauf anlegten, sich mit viel Lärm und Sendungen wie „Tutti frutti“ von den etablierten Programmanbietern zu unterscheiden, bedienten die RTL-Nachrichten eher das Sensationsbedürfnis der Zuschauer. Heute ist die Sendung zwar nach wie vor keine zweite „Tagesschau“, kommt aber weitaus seriöser daher als ehedem. „Wir sind zwar weiterhin der Überzeugung, dass es auch andere Themen gibt, die für unsere Zuschauer wichtig sind und über die wir weiterhin berichten werden, gleichzeitig haben wir den Politikanteil über die Jahre deutlich erhöht“, zog Kloeppel vor einer Weile Bilanz.

Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er den Grimme-Preis für seine souveräne Moderation bei den Anschlägen vom 11. September 2001. Kürzlich konnte der Journalist für „RTL aktuell“ eine Goldene Kamera entgegennehmen.

2016 wurde das Nachrichtenformat, das allabendlich um 18.45 Uhr läuft, von durchschnittlich 3,08 Millionen Zuschauern gesehen. Trotz der Konkurrenz durchs Internet glaubt Kloeppel an die Zukunft der TV-Nachrichten: „Viele Menschen, die unsere Sendungen einschalten, haben den ganzen Tag über viele Dinge gesehen und gehört, und am Abend wollen sie dann wissen: Was war wirklich wichtig davon?“

Bis 2014 war Kloeppel, der für RTL auch die Kanzlerduelle vor den Bundestagswahlen moderiert, zusätzlich Chefredakteur des Senders und bestimmte als solcher dessen journalistische Linie. Doch dieses Amt gab er auf, um mehr Zeit für seine Familie zu haben. Seine Frau, mit der er eine gemeinsame Tochter hat, stammt aus dem US-Bundesstaat Minnesota, ihre Familie lebt in Amerika – dorthin zieht es den Wahl-Bonner nun öfter. Ein Dauerläufer ist Peter Kloeppel übrigens nicht nur, was seine Ausdauer als Anchorman angeht: Der Sohn einer Sportlehrerin joggt gerne und regelmäßig – und hat schon den New-York-Marathon geschafft.

Peter Kloeppels aktueller Vertrag bei RTL endet in diesem Jahr. Der Kölner Anbieter baut jetzt schon für den Fall vor, dass das Aushängeschild des Senders irgendwann aufs Altenteil geht, und zieht einen Nachfolger heran: Seit einigen Monaten moderiert der junge Fernsehjournalist Maik Meuser dann und wann „RTL aktuell“. Er sei durchaus ein Kandidat für Kloeppels Nachfolge, sagt der 40-Jährige selbst, aber: „Ich habe davor ehrlich gesagt ein bisschen Angst. Seine Fußstapfen sind riesig.“

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