Schubert im Spiegelbild

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Jörg Widmann

Widmann-Liederzyklus,. Allerheiligen-Hofkirche.

„Wenn ihr’s in den Busen zwinget,/ regt sich selten nur das Lied“, schrieb Justinus Kerner in einem Gedicht, das Robert Schumann in seinem Liederkreis op. 35 vertonte. Es könnte symbolisch stehen für den am Mittwochabend erkältet-angeschlagenen Bariton Thomas E. Bauer, der sich aber gewohnt robust, unnachgiebig und, wo angebracht, mit einer Portion Humor den Werken stellte, sensibel begleitet von Siegfried Mauser.

Beide begannen mit Schumann, was eine gute Entscheidung war, denn so erschienen viele Facetten der Klangwelt Jörg Widmanns einleuchtender, oftmals gar als logische Folge der romantischen Liedtradition. So meinte man, in Widmanns Liederzyklus „Das heiße Herz“ Schumann und Schubert zu hören, teils wie ein Spiegelbild im unruhigen Wasser verzerrt, teils angenehm naiv imitiert. Gedichte begleiten Widmann seit frühester Jugend, Lieder entstanden im Laufe seiner steilen Karriere aber eher nebenher. 2013 wurde der erste Teil des Zyklus’ von Christian Gerhaher und Gerold Huber in Wien uraufgeführt, anschließend fügte der Komponist noch zwei Lieder hinzu, darunter die groß angelegte, knapp viertelstündige Ballade „Einsam will ich untergehen“ von Brentano als Schlussstück.

Die Liebe mit ihrer Gefühlspalette zwischen tief in sich gekehrter Trauer, Eifersucht und Wahn, aber auch kecker Hoffnung und Selbstironie ist es, was Widmann interessiert. Dafür hat er den Dichter Klabund gefunden, auch Unbekanntes aus „Des Knaben Wunderhorn“. Im „Heißen Herz“ arbeitet Widmann wenig mit Clustern, sucht tonale Reibungen, kleinste Schattierungen, die sogleich wieder davongetragen werden.

Grenzen zwischen Lied und Monodram verschwimmen. Am eindrucksvollsten im Bereich zwischen einfachem und vielfachem Piano an der Grenze der Hörbarkeit. Werk und Künstler hätten allerdings mehr verdient, als die erschreckend leeren Reihen in der Allerheiligen-Hofkirche. johann jahn

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