MAXIM VENGEROV TAT SICH ALS DIRIGENT UND DIRIGIERENDER SOLIST DER MÜNCHNER PHILHARMONIKER SCHWER

Nur schöne Einzelmomente

Maxim Vengerov war in München als Geiger, aber auch als Dirigent zu erleben. Ag. bahl
+
Maxim Vengerov war in München als Geiger, aber auch als Dirigent zu erleben. Ag. bahl

So ein klein wenig gesunde Selbstironie dürfte da während der letzten Jahresplanung wahrscheinlich schon mitgeschwungen haben, als man bei den Münchner Philharmonikern kurz nach dem jüngsten Amerika-Gastspiel ausgerechnet Antonín Dvořáks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ aufs Programm setzte.

Und das, obwohl es für diesen immer wieder gern gehörten Klassiker, zumindest vonseiten der Abonnenten, ja eigentlich keiner großen Ausrede bedürfte. Etwas in Erklärungsnot kam dagegen allerdings der inzwischen von der Geige immer öfter auch zum Taktstock wechselnde Maxim Vengerov am Dirigentenpult im Gasteig, dessen Lesart sich vor allem in den ersten beiden Sätzen mit breiten Tempi allzu zäh dahinschleppte und gefühlt deutlich mehr Zeit in Anspruch nahm, als es einem der Blick auf die Uhr vorgaukeln wollte. Dass er sehr wohl auch anders kann, zeigte unter anderem das virile Scherzo, mit dem endlich Leben in seine Interpretation einkehrte und so den Philharmonikern mehr Gelegenheit geboten war, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Mit schönen Einzelmomenten, aber nur selten wirklich in Fluss kommend, präsentierte sich ebenfalls das Beethoven-Violinkonzert. Mit ihm war der gelernte Geiger Vengerov vor der Pause in seinem ursprünglichen Metier unterwegs und punktete auf seinem Instrument mit ebenmäßig rundem Ton. Ruhig und konzentriert noch die behutsam aufgefächerte Orchestereinleitung, doch mit Einsetzen des Soloinstruments regten sich Zweifel. Wegen zu seltenen Augenkontakts zu den anderen Musikern ruhte viel Verantwortung auf dem Konzertmeister. Der konnte letzten Endes nicht verhindern, dass der dirigierende Solist und das begleitende Orchester meist eher nebeneinander als tatsächlich miteinander zu musizieren schienen und die Spannungskurve mit zunehmender Aufführungsdauer sowie immer breiter werdenden Tempi langsam, aber stetig abflachte. Tobias Hell

Kommentare