OPERA INCOGNITA BIETET GAUDI MIT „TELEFON“ UND „GIANNI SCHICCHI“

Schön absurd

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Kennen wir sie nicht alle? Menschen, die ohne ihr Smartphone quasi nicht mehr überlebensfähig sind und die Welt um sich herum fast nur noch durchs Display wahrnehmen?

Oder zählen wir sogar selber dazu? Dass dieses Phänomen gar nicht so neu ist, das ist die Erkenntnis bei der jüngsten Produktion der Opera Incognita, für die sich das umtriebige Ensemble Gian-Carlo Menottis Werk „Das Telefon“ vorgenommen hat. Regisseur Andreas Wiedermann, sonst meist auf die tragischen Geschichten abonniert, zeigt im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg, dass er auch ein gutes Händchen für kurzweilige Komödien hat. Mag Menottis Einakter 1947 auch noch mit Schnur und Wählscheibe im Hinterkopf komponiert worden sein, viel aktualisieren musste man nicht für die Geschichte von Ben, der seiner Angebeteten Lucy endlich einen Heiratsantrag machen möchte, aber einfach nicht dazu kommt, da immer wieder das „Apple Store Monster“ im wahrsten Sinne des Wortes dazwischenfunkt.

Mantas Gacevicius und die mit perlendem Sopran für sich einnehmende Samantha Britt geben dabei ein ideales Paar ab und dürfen in der zweiten Hälfte des Abends ihr komisches Talent beweisen. Wiedermann stellt Menottis Spaß nämlich Puccinis Florentiner Erbschleicher-Komödie „Gianni Schicchi“ zur Seite, deren Handlung sich quasi in den Flitterwochen der beiden abspielt. Und auf die dazu erdachte Überleitung, eine Hochzeitsfeier mit grandios schmalzendem Elvis-Imitator, muss man erst einmal kommen.

Klingt absurd? Ist es auch, aber das Konzept geht auf! Vor allem, weil das Ensemble rund um Herfinnur Arnafjalls mit angemessener Proleten-Attitüde verkörperten Titelhelden kaum ein Klischee der ebenso redseligen wie hyperemotionalen italienischen Verwandtschaft auslässt. Manches schießt da freilich ein wenig übers Ziel hinaus. Auch die „aktualisierten“ Übertitel  beschreiben oft eher das, was Wiedermann inszeniert, als das tatsächlich Gesungene. Dafür werden die beiden Ohrwürmer, Rinuccios  Loblied  auf  Florenz und  Laurettas  „O  mio babbino caro“, durch den Regisseur  endlich einmal aus ihrem Wunschkonzertdasein erlöst. Was weder Rodrigo Trosino noch Helena Goldt davon abhält, beides stimmschön und von Ernst Bartmann am Klavier einfühlsam begleitet über die Rampe zu bringen. Tobias Hell

Weitere Vorstellungen

26., 27.5.; 089/ 54 81 81 81.

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