KONZERTKRITIKEN

Schmerz und Stolz

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Aids-Konzert, Prinzregententheater.

Es war ein Wiederhören für den guten Zweck: Alexander Liebreich kehrte fürs elfte Aids-Konzert ans Pult des Münchener Kammerorchesters zurück, das er zum Beginn dieser Spielzeit nach zehn Jahren als Chefdirigent verlassen hat. Durch den langen Abend zog sich eine Auswahl klassischer Solokonzerte als roter Faden – der sich in den roten Schleifen am Revers aller Musiker und vieler Hörer im rappelvollen Prinzregententheater spiegelte.

Vier junge, grundverschiedene Solisten erwiesen dem Anlass Reverenz, indem sie auf ihre Weise Schmerz, Hoffnung und Stolz zum Ausdruck brachten. Im Falle von Ludwig van Beethovens zweitem Klavierkonzert saß mit Boris Giltburg ein introvertierter Pianist am großen Steinway. Sein elegantes Spiel wurde von unvermittelten Ausbrüchen wie dem fulminanten Anlauf belebt, mit dem er die Kadenz im ersten Satz meisterte. Von beherzter Ausstrahlung ist der Cellist Daniel Müller-Schott, der Haydns Konzert in C-Dur selbstbewusst zum Klingen brachte. Die Repetitionen und das Arpeggio in den tiefen Lagen rockte er, im weichen Mittelsatz aber ließ er sein Instrument schmerzlich schön singen.

Nach der Pause ein Doppelschlag von Brahms. In der Rhapsodie für Altstimme, Männerchor und Orchester thronte die Mezzosopranistin Okka von der Damerau mit leuchtend roter Robe inmitten des Kammerchors München und griff nicht nur optisch den Anlass der roten Schleifen auf. Stolz und warm war ihr Gesang, kämpferisch und kraftvoll ihre Ausstrahlung.

Brahms’ Violinkonzert deutete wiederum ein introvertierter Solist mit fulminanter Wirkung. Wie in seiner eigenen Welt versunken verschmolz Sergey Khachatryans Spiel mit den Klängen, die Liebreich mit agilem Dirigat seinem Ex-Orchester entlockte, bevor im Nachschlag mit den feurigen Klängen aus Bizets „Carmen“ gefeiert wurde. anna schürmer

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