Mit Schmackes

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konzertkritiken . Münch.

Rundfunkorchester,

Philharmonie

Für Jonas Kaufmann und das Münchner Rundfunkorchester gab es vergangenen Freitag ein Heimspiel auf ihrer „Du bist die Welt für mich“-Tournee. In der ausverkauften Philharmonie präsentierten sie Tenorschlager der goldenen Schellack- und Vinylzeit. Als oft störend erwies sich dabei die Verstärkung der Künstler durch Mikrofone. Bei Liedern aus Filmen wie „Im Traum hast du mir alles erlaubt“ mag das noch einleuchten. Aber Operettenhits wie „Grüß mir mein Wien“? Ein zu direkter, indiskreter Klang verhinderte anschmiegsame, schmeichelnde Intimität, die S-Laute zischten durch den Saal.

Gleiches beim Orchester: Viel Geigen, wenig Bässe, teilweise unhörbare Holzbläser, ein breiiger Sound. So reduzierte sich der Operettenklang auf das Süßliche, die vielen reizvollen Gegensätzlichkeiten dynamischer, rhythmischer, harmonischer Art gingen streckenweise verloren. Die wenig flüssige, oft fade Stabführung von Jochen Rieder tat ihr Übriges. Lediglich streckenweise, wie bei Robert Stolz’ „Frühjahrsparade“, kam das Potenzial des Rundfunkorchesters zur Geltung, genau wie in den formidablen Geigensoli von Henry Raudales.

Jonas Kaufmann brillierte in allen Genres. Mit Schmackes trumpfte er in „Freunde, das Leben ist lebenswert“ auf. Lieder wie „Schatz ich bitt’ dich“ hingegen sang er wie ein Chanson-Star. Hier nahm er seine Stimme gekonnt zurück, blieb im Klang jedoch immer männlich. Kaufmann mischte geschmackvoll Kopf- und Bruststimme, stets Herr über sein Material und seinen langen, wohlkontrollierten Atem.

Nach drei Zugaben verließ der Münchner sein Heimatpublikum augenzwinkernd: „Frag nicht, warum ich gehe.“ maximilian maier

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