Schluss mit lustig

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Es ist das Ende einer amerikanischen Fernseh-Ära: Jon Stewart hört bei der „Daily Show“ auf. Der Moderator hat satirische Nachrichten zwar nicht erfunden.

Doch erst durch ihn wurden sie erfolgreich und in aller Welt kopiert. Seine Fans hoffen nun, Stewart könnte sich zu Höherem berufen fühlen.

Jon Stewart hört bei der „Daily Show“ auf

Es ist das Ende einer amerikanischen Fernseh-Ära: Jon Stewart hört bei der „Daily Show“ auf. Der Moderator hat satirische Nachrichten zwar nicht erfunden. Doch erst durch ihn wurden sie erfolgreich und in aller Welt kopiert. Seine Fans hoffen nun, Stewart könnte sich zu Höherem berufen fühlen.

Von Philipp Vetter

Was für eine Instanz Jon Stewart in politischen Fragen ist, zeigt sich am Mittwoch bei Twitter: Über den Kurznachrichtendienst hatte sich rasend schnell verbreitet, dass Stewart bei der „Daily Show“ aufhören will. Da war die Sendung, in der Stewart seinen Abschied verkündet, noch gar nicht ausgestrahlt worden. Die Fans sind sich schnell einig: Der einzige legitime Grund für den Abschied könnte sein, dass Stewart es jetzt selbst richten will: Jon Stewart for President!, fordern einige bei Twitter.

Für viele Amerikaner war und ist Jon Stewart wenn nicht die einzige, dann doch zumindest die vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle. Dabei sieht das, was der 52-Jährige vier Mal pro Woche macht, nur aus wie Fernsehnachrichten: Stewart, der als Komiker seine Karriere begann, sitzt stets mit Anzug und Krawatte an seinem Schreibtisch, es sieht aus wie in anderen US-Nachrichtenstudios. Doch tatsächlich ist „The Daily Show“ beißende Satire, Stewart nimmt Politik und Medien auseinander.

Damit soll nun nach 16 Jahren Schluss sein. Am Ende der Dienstagssendung wendet sich Stewart an die Zuschauer. Er schüttelt sich kurz, dann sagt er, die Show sei der Job, den er mit Abstand am längsten habe behalten dürfen. „Ich bin ein furchtbarer Angestellter“, sagt er. „Aber in meinem Herzen weiß ich, es ist Zeit, dass ein Anderer diese Chance bekommt.“

Man arbeite noch an den Details, noch stehe nicht genau fest, wann er im Laufe dieses Jahres aufhören werde. „Ich habe keine konkreten Pläne“, sagt er. Höchstens ein paar Ideen im Kopf: „Abendessen an einem Wochentag mit meiner Familie, die – das habe ich aus mehreren Quellen gehört – entzückend sein soll.“ Immer wieder ringt Stewart um Worte. „Diese Show verdient keinen auch nur ein bisschen ruhelosen Moderator.“ Als das Publikum im Studio applaudiert, kämpft er mit den Tränen, versucht es mit Zynismus zu überspielen: „Was ist das für eine Flüssigkeit? Was sind das für Gefühle?“

Stewart hatte die Sendung 1999 übernommen und baute sie zur Kernmarke des bis dahin weitgehend unbekannten Nischensenders Comedy Central aus. Die „Daily Show“ zeichnet aus, dass sie ihren Spott gleichmäßig über alle politischen Lager verteilt. Eine Eigenschaft, die in der sich immer stärker polarisierenden amerikanischen Medienlandschaft zu Beginn des Jahrtausends wohltuend auffiel. Auch die ganz Großen der Politik kamen schon bald und ließen sich persönlich von Stewart durch den Kakao ziehen. Mehrfach war Präsident Barack Obama zu Gast, auch Friedensnobelpreisträger, Autoren und viele Hollywood-stars kamen.

International wurde die „Daily Show“ unter Stewart zum Exportschlager. In Deutschland kopierte das ZDF das Format als „heute show“. Moderator Oliver Welke ahmt Stewarts Moderationsstil bis ins Detail nach.

Auch Stewart selbst machte durch die Show Karriere. Gleich zwei Mal – 2006 und 2008 – moderierte er die Oscar-Gala. Mit Emmys wurde „The Daily Show“ regelmäßig überhäuft – insgesamt gewann die Sendung unter Stewart 20 Trophäen. Doch die „Daily Show“ war nie eine One-Man-Show. Die Beiträge falscher Korrespondenten brachten eine ganze Reihe neuer armerikanischer Fernsehberühmtheiten hervor: Stephen Colbert und John Oliver haben längst eigene Sendungen. Colbert wird im Mai sogar die legendäre Late-Night-Show von David Letterman übernehmen.

Was Stewart selbst künftig machen wird, ist unklar. Die erhoffte Präsidentschaftskandidatur dürfte ausgeschlossen sein. Doch viel schlimmer trifft die Fans vermutlich ohnehin, dass Stewart den Wahlkampf im nächsten Jahr nicht einmal mehr bissig kommentieren wird.

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