DER MÜNCHNER SCHAUSPIELER EDGAR SELGE WIRD 70

Rückkehr erwünscht

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Edgar Selge Foto: Schneider-Press

Ein großer Münchner Schauspieler – der bedauerlicherweise hier kaum mehr präsent ist: Edgar Selge.

Der Künstler, der aus Bückeburg stammt, wurde heute vor 70 Jahren geboren. Und wir Münchner wünschen uns, dass er endlich wieder auf einer Bühne der Stadt spielt. Vielleicht haben wir Glück, denn in absehbarer Zeit gehen Residenztheater-Chef Martin Kušej sowie Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal, und danach kommen vielleicht Theatermacher an diese Häuser, die keine Angst haben vor wirklich imposanten Bühnentieren.

Selge selbst hat keine Angst. Als ehemaliger Falckenberg-Schüler und schließlich Jung-Schauspieler musste er sich den Bühnen-Giganten der Kammerspiele stellen. Und er eroberte sich seit den späten Siebzigern seinen Platz. Dieser scheinbar zarte Jüngling war von stählerner Präsenz: beweglich, aber nie verformbar, unverzichtbar, aber nie rampensäuisch, gefährlich vibrierend, aber nie plump – und vor allem mit einem hinterkünftigen Humor gesegnet. Er zaubert einen naiven Doofi (Bleichenwang in Shakespeares „Was ihr wollt“) genauso auf die Bühne wie den hypernervösen Intellektuellen Torquato Tasso von Goethe. Mit Koltès’ Stück „Die Nacht kurz vor den Wäldern“ bekam Selge ein Solo und formte es zu einer furiosen Schauspiel-Choreografie. Die Zuschauer waren ihm verfallen.

Der Künstler hatte ebenfalls keine Angst, die Kammerspiele zu verlassen (1996) – und er hatte keine Angst, als Fernsehkommissar das Populäre zu suchen. Als einarmigen Münchner Kriminaler Jürgen Tauber aus dem „Polizeiruf 110“ kannte ihn ganz Deutschland. Trotzdem vermied es Selge, in diesem Medium darstellerisch zu verschlampen. Auf die Qualität seiner Kunst achtet er stets konsequent. Deswegen konnte er zum Beispiel in „Unterwerfung“ (nach Michel Houellebecqs Roman) am Deutschen Schauspielhaus Hamburg einen Triumph feiern – wieder mit einem Monolog. Die ARD bringt im Juni eine Verfilmung, natürlich ist Selge dabei. Noch spannender ist seine nächste Angst-Rolle: Wie wird er Shakespeares Lear gestalten? Neben Hamburg sind Edgar Selge sowie seine Frau Franziska Walser am Schauspiel Stuttgart zu erleben – das ist nicht allzu weit von München. Simone Dattenberger

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