„ Das Rezept hat funktioniert“

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5000 Fans und geladene Gäste feiern in Berlin die Premiere des neuen James Bond „Spectre“. London, Rom, morgen Paris, heute Berlin – jeden Tag feiert eine andere Metropole den neuen James Bond „Spectre“, und jeden Tag neu quälen Fans und Journalisten den erfolgreichsten aller 007-Darsteller, Daniel Craig (47), mit einer Frage: Wird er auch noch im 25.

Bond-Film den MI6-Agenten spielen? „Ich weiß es noch nicht“, gesteht er kurz vor der Deutschland-Premiere am Mittwochabend im Berliner Hotel Adlon gegenüber der tz-Kolumnistin und lässt seine Gesichtsmuskeln lächelnd spielen. „Als ich sagte, lieber würde ich mir die Pulsadern aufschneiden, war das zwei Tage nach Ende von acht Monaten Dreharbeiten. Aber man kann ja seine Meinung ändern!“, charmiert der Brite und lässt seine eisblauen Augen wie einen Gebirgssee blitzen – übrigens live noch brillanter als auf der Leinwand. Und er spricht vom Privileg, überhaupt so eine Ikone der Leinwand sein zu dürfen.

In diesem Moment ist sich die tz-Kolumnistin mit der Lizenz zum Fragen sicher, dass dieser Mann nach ein bisschen Abstand in ein paar Jahren noch ein letztes Mal Bond sein wird – noch tiefer, noch bedingungsloser, noch wahrhaftiger, noch härter, aber auch verletzlicher.

London, Rom, morgen Paris, heute Berlin – ein Milliarden-Geschäft wie ein neuer Bond verlangt auch nach Premieren, die alles Gewesene in den Schatten stellen – wie der Film, von dem Daniel Craig sagt, „nach ,Skyfall‘ hatten wir keine andere Wahl: Wir mussten noch größer und besser sein.“ 5000 Fans säumen einen gigantischen roten und schwarzen Teppich im Sony Center am Potsdamer Platz – manche schon seit sieben Uhr früh, seit geschlagenen zwölf Stunden, um einer Illusion in Realita zu begegnen; denn welche Frau wünschte sich keinen Mann wie James Bond, für den Daniel Craig zum vierten Mal das Wahrzeichen ist. Und welcher Mann nicht einen Aston Martin? Auf dem roten Teppich parkt der neue DB10 – ein Concept-Car, von dem gerade mal zehn für den Film gebaut wurden: 4,7-Liter V8 Motor, von 0 auf Hundert in 4,7 Sekunden, Haifischnase – ein wahr gewordener Männertraum, den 007 im Auftrag Ihrer Majestät nonchalant schrottet.

Es heißt, die Produktion hätte über 300 Millionen Euro gekostet. Doch James Bonds wahre Chefin, die Produzentin Barbara Broccoli, lächelt Fakten-Fragen belustigt weg: „Sie können jeden Cent auf der Leinwand sehen. Daran hat schon mein Vater geglaubt – das viele Geld muss man sehen“, erzählt die charmante Lady aus den USA, und auch, wie 007 ihr ganzes Leben bestimmt hat. „Ich war ein Jahr alt, als mein Vater Albert seinen ersten James Bond produziert hat. So bin ich mit James Bond groß geworden und habe mein ganzes Leben mit ihm verbracht. Bis ich sieben war, glaubte ich, es gibt ihn so wirklich wie Santa Claus.“

James Bond – das ist ein Familienunternehmen, und die Bond-Girls sind eine Art Club. „Sie treffen sich regelmäßig.“ Neu im Club ist neben Monica Bellucci – mit 51 Jahren das reifste Bond-Mädchen aller Zeiten – Lea Seydoux, die mal endlich die zweieinviertel Leinwandstunden überlebt. Allerdings – die Girls sind nicht mit nach Berlin gekommen, dafür aber die charmante Moneypenny Naomi Harris – und – Oscar-Preisträger Christoph Waltz, der als Franz Oberhauser, Bonds Widersacher spielt – in einer weltumspannenden Jagd gegen das organisierte Böse und um Daten-Macht.

Waltz und Craig treiben bei ihrer Ankunft am roten Teppich auch den Kreischpegel auf Maximum nach oben. Anzug und Lächeln sitzen. Galant sind sie beide. Aber wer kommt am Ende schon gegen die eisblauen Augen eines Bond an...? 1500 Premierengäste sind geladen – jedem schüttelt Deutschlands Sony-Pictures-Boss Martin Bachmann in ebenso feiner Schneider-Couture persönlich die Hand und lädt auch noch mal mündlich zur anschließenden Party in den Berliner Club Felix und zu Wodka-Martini – dirty, den es noblerweise schon im Premierenkino gibt – zum Bilder- und Action-Spektakel. Gerührt, nicht geschüttelt.

1500 im Rausch der Gefühle. Die Männer für Cars und Fights. Die Frauen für Bond. „Daniel Craig wird immer noch charismatischer“, wird Premierengast und Schauspielerin Gerit Kling am Ende sagen. Wieder ist ein neues Kapitel in der über 50-jährigen 007-Geschichte geschrieben. „Das Rezept hat wie immer funktioniert“, gibt der ehemalige Casino-Royale-Bösewicht Clemens Schick zu Protokoll. „Tolle Besetzung!“ Und Fernsehkommissar Axel Milberg: „Ich bin ganz erschöpft von dem kalten Sadismus meines österreichischen Kollegen Christoph Waltz.“ Bonds Folter – ein Höhepunkt wie der fulminante Anfang.

Auch ein Auto-Herz wurde wieder geheilt: Nachdem der legendäre DB9 in Skyfall geschrottet war, tauchte er restauriert am Ende von Spectre wieder auf – ein emotionaler Glücksmoment für BMW-Statthalter Hans-Reiner Schröder. Und der Münchner Paulaner-im-Tal-Wirt Wiggerl Hagn freut sich am Ende mit seiner Frau, dafür nach zehn Jahren doch mal wieder in die Hauptstadt gereist zu sein! München-Berlin. Während Daniel Craig schon auf dem Weg nach Paris ist, wo man mit derselben Fragen-Salve wieder auf ihn schießt: Wird er noch einmal im Auftrag Ihrer Majestät als 007 mit der Lizenz zu Töten anheuern? Wetten, dass er nicht widerstehen kann!

Euphorisiert und im Bond-Fieber u.a. auch: Detlef Bothe, der in Spectre ein Gastspiel als Bösewicht hat; Constantin-Boss Martin Moszkowicz, der diesen Bond einfach „super“ fand, der Münchner Produzent Quirin Berg, die Schauspieler Jürgen Vogel, Alexandra Kamp mit Michael von Hassel, Natalia Avelon, Shermine Sharivar, Sänger Andreas Bourani, Style-Experte Guido Maria Kretschmer und Comedian Oliver Kalkofe, der immer ein Bond und Geheimagent werden wollte... Ulrike Schmidt

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