Raus aus den Sandalen

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Das Passionstheater Oberammergau will im Sommer 2014 weg von biblisch-antiken Stoffen und hin zur Komödie von Kathrin Hildebrand

Von wegen Landflucht. 25 000 Menschen machten es im Sommer umgekehrt und pilgerten nach Oberammergau ins Passionstheater. Diese Summe entspricht immerhin zwei Prozent der Einwohner Münchens und dem fünffachen der Bevölkerung des Lüftlmalerei-Paradieses. Der Intendant des Volkstheaters Christian Stückl ist zufrieden: Seine Idee, die berühmte Oberammergauer Bühne, auf der Jesus alle Dekade einmal ans Kreuz genagelt wird, fortan jährlich zu bespielen, hat sich ausgezahlt.

Seit 2011 ziehen Teile der Volkstheater-Crew regelmäßig im Juli und August gen Süden und inszenieren im Passionstheater ein Monumentalwerk. „Früher stand das Theater jeweils zehn Jahre leer und zehn Jahre schissen die Tauben nei“, sagt Stückl. Das ist vorbei. Zur Premiere der jährlichen Reihe 2011 inszenierte er „Joseph und seine Brüder“ nach Thomas Mann, 2012 war es Shakespeares „Antonius und Cleopatra“ und 2013 „Moses“ von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel.

Wurden die ländlichen Sommerspiele anfangs noch von der Gemeinde Oberammergau bezuschusst, tragen sie sich mittlerweile selbst. Das ist möglich, weil die Darsteller wie auch bei den Passionsspielen Laien sind und auf ihre Gage verzichten. Außerdem kostet das Theater die Veranstalter keine Miete.

Im vierten Jahr der Sommerreihe will Christian Stückl nun Neues wagen. „Religiöse Stoffe sind schon spannend, aber irgendwann gehen einem die Sandalen auf den Nerv. Außerdem ist das Angebot an Bibelstücken sehr klein.“ Auch hatten einige Oberammergauer Schauspieler gejammert, dass sie immer nur in Kittel, Toga, Turban sowie bierernste antike Rollen schlüpfen dürften. „Da kriegt ma ja des Jerusalem-Syndrom.“

Eine Komödie soll die Truppe 2014 vor dem Bibelwahn retten. Stückl will Shakespeares Dauerbrenner „Ein Sommernachtstraum“ zeigen. Mit Musik und Chor. Doch nicht die weltbekannte Bühnenkomposition Felix Mendelssohn Bartholdys soll es sein, sondern Henry Purcells Semi-Oper „The Fairy Queen“ (Die Feenkönigin) von 1692. Das Barockorchester ist schon fest eingeplant. Wer die großen Rollen spielen darf, weiß Stückl erst im Frühjahr.

So ganz ohne Religion aber geht es freilich nicht. „Moses“, der heuer seine Uraufführung feierte, wird auch 2014 an vier Tagen zu sehen sein. Für das bayerische Moment, in Oberammergau schließlich unabdingbar, sorgen zudem zwei Gastspiele des Volkstheater-Knallers „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ sowie eine Zweitauflage des „Heimatsound Festivals“.

Das Musikevent haben Volkstheater-Pressesprecher Frederik Mayet und Till Hofmann vom Münchner Lustspielhaus erstmals im Sommer auf die Passionsbühne gebracht – mit Unterstützung des Bayerischen Rundfunks. Insgesamt zwölf Bands aus Bayern und Österreich spielten an zwei Tagen, darunter Altmeister wie Ringsgwandl, Attwenger und die Bananafishbones, aber auch zahlreiche Frischlinge sowie Vertreter einer jungen, schrägen Folklore. Zwölf Gruppen sollen es auch 2014 werden. Wer zugesagt hat, verraten die Initiatoren in ein paar Wochen.

Das Festival soll noch ausgebaut werden. Dabei legen die Macher Wert darauf, dass die Heimat bei Heimatsound nicht unbedingt im deutschsprachigen Alpenraum liegen muss. „Die Bands können von irgendwoher kommen und ihren Background einbringen, auch zum Beispiel aus dem Baskenland“, erklärt Till Hofmann. Internationale Gäste im kreuzbayerischen Oberammergau – das klingt wirklich verlockend.

Das Programm

„Ein Sommernachtstraum“: 4., 5., 18., 19., 24., 25., 26. Juli.; „Brandner Kaspar“: 11., 12. Juli.; Heimatsound Festival: 1., 2. August; „Moses“: 8., 9., 14., 15. August; Karten: 088 22 /945 88 88.

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