VERLEGER STARTEN KAMPAGNE FÜR DIE ZEITUNG ALS „GARANT FÜR PROFESSIONELLE, UNABHÄNGIGE UND SERIÖSE BERICHTERSTATTUNG“

Ramonas „Nachrichten“ im Visier

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„Jedes Wort Wert“ . Von Rudolf Ogiermann.

In Mühldorf hat ein Flüchtling eine 17-Jährige vergewaltigt – das „berichtete“ Anfang Januar nicht die örtliche Tageszeitung, sondern eine gewisse Ramona (Name geändert) auf Facebook. Ramonas „Quelle“ war die Tochter, die es von einer Freundin wusste, die es von ihrer Nachbarin gehört hatte. Dass die Polizei die Geschichte wie berichtet schnell als Falschmeldung entlarvte, dass die angebliche Tat nie angezeigt wurde, konnte die sofort hochschwappende Woge der Empörung in dem Sozialen Netzwerk nicht stoppen. Gezielt verbreitete „Fake News“ gehören längst zum Alltag nicht nur in Deutschland, viele Menschen scheinen irgendwelchen Ramonas, irgendwelchen obskuren, mehr oder weniger anonymen „Augenzeugen“ mehr zu vertrauen als den klassischen Medien – auch wenn völlig unklar ist, wie solche „Nachrichten“ entstehen und ob sie professionell überprüft wurden.

Der Flut der erfundenen Meldungen, die einhergeht mit einem wachsenden Misstrauen gegenüber den Rundfunkanstalten und den Tageszeitungen (die angeblich Informationen gezielt zurückhalten), will der Verband der Bayerischen Zeitungsverleger (VBZV) jetzt mit einer großen Kampagne entgegenwirken. Unter dem Motto „Jedes Wort wert“ soll der hohe Stellenwert der Zeitung in den Fokus gerückt werden. „Die Tageszeitung ist ein Garant für professionelle, unabhängige und seriöse Berichterstattung und damit auch ein Schutzschild der Demokratie“, sagt Markus Rick, Hauptgeschäftsführer des VBZV: „Das müssen wir im Zeitalter von Fake News und Hasskommentaren noch viel deutlicher machen.“

Basis der Kampagne sind fünf Anzeigenmotive, die in den teilnehmenden Publikationen – unter anderem auch unsere Zeitung – zeitgleich erscheinen und fünf zentrale Aussagen beinhalten. „Weil jedes Wort das wichtigste aus tausenden ist“, sagt zum Beispiel die Lehrerin, und der Handwerker resümiert: „Weil jedes Wort Hand und Fuß hat.“ Kino- und Fernsehspots unterstreichen laut VBZV darüber hinaus die Funktion der Zeitung, „relevante Themen aus einer Flut von Informationen herauszufiltern und so eine wertvolle Orientierungshilfe zu geben“. Die Kampagne soll – in drei „Wellen“ – das ganze Jahr über laufen.

Dass Facebook und andere Soziale Netzwerke als Nachrichtenquelle die etablierten Medien überflügeln, scheint nach jüngsten Umfragen jedoch wenig wahrscheinlich. Rund 89 Prozent der Bundesbürger finden demnach das Informationsangebot von Radio, Fernsehen, Internet, Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland insgesamt „gut“ oder sogar „sehr gut“. Besonders gut schnitt einmal mehr der öffentlich-rechtliche Rundfunk ab – wenig überraschend für eine Studie, die vom Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Auftrag gegeben wurde. Immerhin 74 Prozent halten das öffentlich-rechtliche Radio für glaubwürdig (minus drei Prozent), 72 Prozent attestieren dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen hohe Glaubwürdigkeit (plus ein Prozent). Bei Tageszeitungen liegt der Glaubwürdigkeitswert unverändert bei 65 Prozent. Dem Privatradio glauben mit 35 Prozent deutlich weniger als bei der letzten Befragung (minus zehn Prozent), dem Privatfernsehen vertrauen sogar nur 25 Prozent.

Das Internet allgemein wird laut Studie von 27 Prozent der Bevölkerung als glaubwürdig eingestuft. Der Wert für Soziale Netzwerke liegt noch einmal deutlich darunter – nur acht Prozent der Bevölkerung halten Facebook oder Twitter für glaubwürdig. Nicht sehr schmeichelhafte Werte also für alle Ramonas, die ihre „Nachrichten“ aus dritter, vierter oder fünfter Hand erhalten und ungeprüft weiterverbreiten.

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