SCHAUSPIELERIN ULRIKE KRIENER ÜBER „KOMMISSARIN LUCAS“, FRAUEN IN FÜHRUNGSPOSITIONEN UND DIE VIELZAHL DER KRIMIS IM FERNSEHEN

„Die Quote ist kein Qualitätsmerkmal“

„Sie ist ’ne Taffe“: Ulrike Kriener spielt „Kommissarin Lucas“ im ZDF. ZDF
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„Sie ist ’ne Taffe“: Ulrike Kriener spielt „Kommissarin Lucas“ im ZDF. ZDF

Er macht die Ermittlerin auf eine Gruppe von Neonazis aufmerksam, die sich mit Waffen aus einem geheimen Depot versorgt haben, doch Ellen Lucas schickt Andy Wolf (Peter Wolf) zum Staatsschutz.

Dann brennt Wolfs Wohnung, und es gibt einen Toten. Doch noch ein Fall für „Kommissarin Lucas“, gespielt von Ulrike Kriener. „Familiengeheimnis“ lautet der Titel der Folge, die an diesem Samstag um 20.15 Uhr zu sehen ist. Es ist die 25. Episode der mehrfach ausgezeichneten ZDF-Krimireihe, die im Jahr 2003 erstmals lief.

-„Familiengeheimnis“ ist Ihr 25. Fall – Hand aufs Herz, sind Sie manchmal amtsmüde?

Überhaupt nicht! Ich mag die Reihe immer noch sehr gern, ich mag die Fälle, die immer anders sind. Wir sind als Team über die Jahre toll zusammengewachsen. Es gibt für mich keinen Grund, amtsmüde zu sein.

-Wesentlicher Bestandteil von „Kommissarin Lucas“ sind, wie man auch im Jubiläumsfilm wieder sehen kann, die Rangeleien zwischen ihr und den Kollegen, männlichen wie weiblichen...

Das gehört dazu. Es geht ja nicht nur um den Fall, sondern auch darum, was das für Menschen sind, die da ermitteln.

-Steckt dahinter auch die Idee, dass sich Frauen in Führungspositionen ganz anders durchsetzen müssen, um akzeptiert zu werden?

Nein, die Rangeleien speziell in „Familiengeheimnis“, haben damit zu tun, dass sich Ellen Lucas nicht wirklich gut ins Team integriert, dass sie in einer konkreten Situation, in der sie erreichbar sein sollte für die Kollegen, ihr Handy ausschaltet und einen Alleingang unternimmt. Das muss zwangsläufig zu Konflikten führen.

-Wie würden Sie Ihre Figur einordnen im Reigen der Ermittlerinnen am Samstagabend?

Sie ist ’ne Taffe, ’ne Einzelgängerin, sie kann autoritär sein, auch mal aggressiv, was, so glaube ich, gut ist in ihrem Job. Und sie lässt sich emotional nicht so leicht vereinnahmen.

-Was ist da von Ihnen drin?

Sagen wir so: Je weiter weg die Rollen von mir selbst sind, desto lieber spiele ich sie. Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass wir die Kommissarin ganz entschieden als humorlos angelegt haben, und das bin ich privat ganz sicher nicht.

-Der Samstagskrimi findet im ZDF zwar ein großes Publikum, es sind aber deutlich weniger Zuschauer als beim „Tatort“. Grübeln Sie manchmal darüber, was wäre, wenn Sie die Rolle einer „Tatort“-Kommissarin bekommen hätten?

Nein, warum sollte ich? Wegen ein paar Prozent Marktanteil?

-Die „Tatort“-Protagonisten sind noch einmal bekannter als die des ZDF-Samstagskrimis.

Das Format „Tatort“ ist so legendär, das hat sich durchgesetzt, egal welcher Schauspieler da ermittelt. Ich kann doch stolz darauf sein, mir meinen Zuschauerstamm erarbeitet zu haben, ohne dass mich der Titel „Tatort“ oder „Polizeiruf“ getragen hat. Die Quote mag wichtig sein, aber sie ist nicht zwangsläufig ein Qualitätsmerkmal.

-Gibt es zu viele Krimis im deutschen Fernsehen?

Es ist schon so, dass wir wahnsinnig viele Krimis haben. Und auch wenn ich selbst in einer Krimireihe spiele, würde ich mir mehr andere Genres wünschen.

-Welche Art von Geschichten sollten öfter erzählt werden?

Eine Lebensgeschichte als Serie – das finde ich interessant. Der Mehrteiler „Klimawechsel“ (über vier Frauen in den Wechseljahren, Red.), den ich mit Doris Dörrie gemacht habe vor ein paar Jahren, war doch ein tolles Projekt. Das hatte nicht die Wahnsinnsquote, aber eine gigantische Resonanz. Ich bin sehr oft angeschrieben und angesprochen worden auf dieses Produkt. Schade, dass es so etwas nicht häufiger gibt, es würde das Fernsehen lebendiger machen.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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