IN DER GALERIE WALTER STORMS WURDEN BOXHANDSCHUHE VON CHARLES SCHUMANN VERSTEIGERT

Punktsieg für die Münchner Kinder

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„Charles Schumann featuring Faust“ heißt die Installation des Boxhandschuhs, die Caro Jost gefertigt hat. Hier inspiziert die Bar-Legende persönlich das Kunstwerk. Foto: Getty

VOn katja Kraft. Der Spender selbst lässt sich nur für ein paar Minuten blicken.

Charles Schumann ist kein Mann für den großen Auftritt. Kurz vor Auktionsbeginn kommt er vorbei, signiert all die Boxhandschuhe, die einst ihm gehörten, und verschwindet wieder. Denn an diesem Frühsommerabend in München soll ja nicht er im Fokus stehen, sondern der gute Zweck, für den er sich einsetzt. Der ist: die Organisation „Boxt euch durch München“, eine Initiative für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in der bayerischen Landeshauptstadt. Hier bekommen sie ein warmes Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und – gegen aufgestaute Wut und schwelende Aggressionen – Kickbox-Training.

„Ich bin zwar kein geborener Auktionator, werde mir aber trotzdem alle Mühe geben, ihnen einige Euros herauszukitzeln“, verkündet Galerist Walter Storms zu Beginn der Veranstaltung in seiner Galerie an der Schellingstraße augenzwinkernd. Seine Frau, Caro Jost, steht an der Seite und schaut zu, wie all die Handschuhe unter den Hammer kommen, die sie in Bilderrahmen drapiert hat. Anlässlich des Faust-Festivals zeigt die Künstlerin noch bis 27. Juni in ihrem Kunstraum an der Schellingstrasse 48, der nur aus einem Schaufenster besteht, die Installation „Charles Schumann featuring Faust“. Hinter der Scheibe ein feuerroter Boxhandschuh, der auf einer Stange so drapiert ist, als würde er zum Schlag gegen den Besucher ausholen. „Damit nimmt Charles Schumann das Thema im wahrsten Sinne des Wortes in seine eigene ,Faust‘“, kommentiert Jost.

Michaela Schubert, Geschäftsführerin von „Boxt euch durch München“, freut sich über dieses Engagement der Münchner Bar-Legende. Sieben Paare hat Schumann zur Verfügung gestellt. „Und das Geld, das wir heute zusammenbekommen, geht alles zu 100 Prozent an sie“, sagt Storms freudig zu Schubert gewandt. Tatsächlich kommt eine Menge zusammen. Für die goldenen Vintage-Handschuhe etwa, die Schumann vor Jahrzehnten einmal nach einem erfolgreichen Kampf gewann, liegen am Ende 680 Euro auf dem Auktionstisch. Oder für die Sparring-Handschuhe – Storms: „extraweich, für die Softies unter Ihnen“ – 350 Euro. Und dann ist da ja noch das Paar mit deutlich sichtbaren Gebrauchsspuren. „Da sind echte Blutstropfen drauf!“ – wenn das kein in wahrem Sinne des Wortes schlagendes Verkaufsargument ist.

Am Ende gibt’s noch eine Überraschung. Denn der Käufer der ungewöhnlich kleinen, pakistanischen Fausthandschuhe verschenkt sie noch einmal zur Versteigerung, nachdem er zuvor bereits 450 Euro dafür investiert hatte. So kommen am Ende über 3500 Euro zusammen. Schlag auf Schlag, Punktsieg für die Münchner Kinder.

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