Provokation zu teuer?

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Bayreuther Festspiele trennen sich von Jonathan Meese. von markus Thiel.

Seit Freitagmittag dürften die orthodoxen Wagnerianer Messen lesen lassen, allerdings keine schwarzen wie ihr Hassobjekt: Die Bayreuther Festspiele haben sich von Performance-Künstler Jonathan Meese getrennt. Der sollte 2016 auf dem Grünen Hügel für einen neuen „Parsifal“ sorgen. Doch nicht vor seinem Konzept ist die Festspielleitung zurückgeschreckt. Angeblich spielten finanzielle Gründe die Hauptrolle. Von Anfang an seien „erhebliche Finanzierungsprobleme hinsichtlich der bühnenbildnerischen und kostümlichen Gesamtausstattung“ aufgetreten, ließ der Kaufmännische Geschäftsführer Hans-Dieter Sense wissen. „Die Folge wäre eine erhebliche Überschreitung der zur Verfügung stehenden Budgets.“

Zum zweiten Mal innerhalb relativ kurzer Zeit muss sich Bayreuth damit einen neuen Regisseur suchen. Nachdem eine Zusammenarbeit mit Wim Wenders für den aktuellen „Ring des Nibelungen“ nicht geklappt hatte, musste Frank Castorf übernehmen. Seine Arbeit verprellte viele Wagner-Fans – mit ein Grund, warum die Vorstellungen am Hügel nicht mehr „automatisch“ ausverkauft sind.

Das Engagement von Jonathan Meese hat von Anfang an für Stirnrunzeln gesorgt. Der 44-Jährige, der mehr oder weniger gelungen mit Nazi-Symbolen jongliert, hat sich deshalb sogar vor Gericht verantworten müssen. Die Frage stand im Raum, ob Bayreuth einen solchen Provokateur nötig hat – und warum beim „Parsifal“ viele Theater glauben, sie müssten Wagners letztes Opus einem Künstler außerhalb gängier Regiehandwerks-Raster anvertrauen. Das Engagement von Meese fällt nun – nicht überraschend – auf die Festspielleitung Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier zurück. Eventuell „bis Ende nächster Woche“, so sagte Festspiel-Sprecher Peter Emmerich, werde man einen Ersatz für Jonathan Meese bekannt geben. Diesmal einen echten Regisseur?

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