IN DER NEU GEWONNENEN ERWEITERUNG ZEIGT DAS GEIGENBAUMUSEUM MITTENWALD „DER MALER FRITZ PRÖLß – MENSCHEN UND ALLTAG SEINER ZEIT“

Ein Profi der heilen bäuerlichen Welt

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Fritz Prölß inszenierte mit „Großvater und Enkelin“ ein ländliches Idyll. Fotos: Museum

Das Geigenbaumuseum Mittenwald, in einer Seitengasse nahe bei der Kirche, feiert zurzeit seine geglückte Erweiterung mit einer Sonderausstellung.

Das gemütliche Haus, das sich der größten Berühmtheit des Orts, der Violine nämlich, verschrieben hat, konnte das Nebengebäude pachten. Damit sind 60 Quadratmeter gewonnen, die für Extras genutzt werden sollen. Das war in der Dauerschau kaum oder nur in winzigem Rahmen möglich.

Eingeweiht wird der Zuwachs mit der Schau „Der Maler Fritz Prölß – Menschen und Alltag seiner Zeit“. 50 Gemälde und Arbeiten auf Papier aus Privatbesitz wurden dafür zusammengetragen. Dabei erweist sich Friedrich Anton Otto Prölß als typischer Genremaler seiner Zeit, der den Geschmack des damaligen Bürgertums sicher traf. Er zauberte die Idylle einer vermeintlich guten alten Zeit in eine Welt im Umbruch zu Industrialisierung, Imperialismus und Raubtierkapitalismus, aber auch zu Fortschritt, neuen sozialen Konzepten und zur Befreiung des Individuums. Dass ihm gerade der Mensch nicht Staffage war, beweist Prölß nicht nur in seinen Porträts, sondern durchaus auch in den Stuben-Szenen. Natürlich zelebriert er wie in „Großvater und Enkelin“ (1905) eine heile und wohlhabende ländliche Welt – welches Kind hatte im Alltag wirklich Schuhe an? –, er deutet indes in anderen Bildern, geziemend vorsichtig, Armut an.

Prölß, 1855 in Dresden geboren (1934 gestorben), dort und an der Münchner Akademie ausgebildet, war ein Profi. Ein exzellenter Handwerker mit Blick für Stimmungen, Charaktere und ihre Haltungen. Man ordnet ihn der „Münchner Schule“ zu. Er war erfolgreich, und seine Arbeiten wurden durch Vervielfältigungen (Zeitschriften, Postkarten) populär. München war das Zentrum seines Seins, fast genauso wichtig war aber Mittenwald. Seit 1879 verbrachte er dort 50 Jahre lang die Sommer – und malte. Jetzt begegnen wir ihm dort wieder. Simone Dattenberger

Bis 7. Mai 2017

Di.-So. 10-17 Uhr; Ballenhausgasse 3; 08823/ 25 11.

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