„Polizeiruf 110“: Experiment missglückt

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Einen schrägen Selbstversorger spielt Jürgen Vogel (Mi.) im jüngsten „Polizeiruf 110“ – nicht zum ersten Mal gibt er den melancholischen Irren. Er kann den Film genausowenig retten wie Maria Simon als Kommissarin Lenski (li.) oder Lucas Gregorowicz in der Rolle des Adam Raczek (re.) – sie sind trotz schauspielerischer Mühen auf verlorenem Posten. Feist/ ARD

Von Rudolf Ogiermann. Dem Konsumterror entkommen, ein autarkes Leben führen, „frei“ sein – ein durchaus erstrebenswertes Ziel.

Vielleicht hat der triste, einsame Landstrich an der deutsch-polnischen Grenze im Osten Brandenburgs die Autoren des „Polizeiruf 110“, den die ARD am Sonntagabend zeigte, inspiriert, ein Drehbuch zu schreiben über das nahe Ende der Zivilisation, über Menschen, die mehr oder weniger rabiat mit allen Konventionen brechen, sich an keine Regel mehr halten (wollen).

Das Experiment ist schief gegangen, zu unentschieden schlingert „Die Demokratie stirbt in Finsternis“ – schon der arg poetische Titel muss stutzig machen – zwischen klassischem Krimi, Dystopie und Elementen des Westerns hin und her. Nichts passt hier zusammen. Völlig unverbunden steht beispielsweise das Trauma der Kommissarin (Maria Simon trotz aller schauspielerischen Mühen auf verlorenem Posten) nach dem dreisten Einbruch in ihre Wohnung neben dem Rest. Ein wenig plausibler Einfall, ihren Einzug bei Lennard Kohlmorgen zu begründen.

Dieser schräge Selbstversorger wird von Jürgen Vogel gespielt – nicht zum ersten Mal festgelegt auf die Rolle des melancholischen Irren. Man spürt das Bemühen von Matthias Glasner (auch Regie) und Mario Salazar, endzeitliche Szenarien zu entwerfen – verrohte Jugendliche in aussterbenden Dörfern, ein halb verfallenes Schloss als Kommandozentrale für die Attacke auf die staatliche Ordnung, Bilder vom landesweiten Blackout. Im Rahmen eines Sonntagabendkrimis wirken solche (Bürgerkriegs-)Bilder aber reichlich großmäulig, zumal Glasner und Salazar ihre Protagonisten fast die ganze Zeit kaum erträgliche Sentenzen sagen lassen, vom „Meine Eltern arbeiten gerne gegen Menschen“ der Kohlmorgen-Tochter bis zum resignierten „Unter dem Druck der Welt verschrumpeln unsere Seelen“ von Olga Lenski. Und warum die eben noch schlotternde Ermittlerin am Ende mutig dem bewaffneten Mob entgegentreten kann, ist nur eines von vielen Rätseln in diesem missglückten Film.

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