DAS MUSIKUNTERNEHMEN BMG LÄSST DEN BEREITS AUSGEHANDELTEN VERTRAG MIT DEN UMSTRITTENEN RAPPERN KOLLEGAH UND FARID BANG RUHEN

Plattenfirma will nach Antisemitismus-Debatte handeln

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Von Caroline Bock und Carsten Linnhoff. Die Konsequenz kommt spät – aber dafür deutlich: Das Musikunternehmen Bertelsmann Music Group (BMG) hat die Zusammenarbeit mit den beiden Rappern Kollegah und Farid Bang vorerst gestoppt.

Das berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ in ihrer heutigen Ausgabe. „Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen“, sagte demnach BMG-Vorstandschef Hartwig Masuch gegenüber dem Blatt. „Wir entschuldigen uns bei den Menschen, die sich verletzt fühlen.“

Wie berichtet hatte die BMG in Kooperation mit den Musik-Labels der Rapper Farid Bang und Kollegah, Banger Musik und Alpha Music Empire, das umstrittene Album „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ veröffentlicht. Die Musiker waren in der vergangenen Woche für das Werk mit dem Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Textzeilen wie „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow“ hatten heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

Gegen diese Vorwürfe nahm Masuch die beiden ausdrücklich in Schutz. „Ich finde diese Zeilen auch geschmacklos“, sagte er. „Meine Mitarbeiter und ich stehen mit den Künstlern in Kontakt, und die distanzieren sich klar von jeder Form von Antisemitismus. Das tun wir auch.“ Kunst-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit deckten nicht Antisemitismus und Rassismus ab. Am Mittwoch noch hatte sich BMG in einer Mitteilung hinter die Künstler gestellt – mit Verweis auf eben diese künstlerische Freiheit. „Wir nehmen Künstler und künstlerische Freiheit ernst, und wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht“, hieß es da wie berichtet in einer Mitteilung von BMG.

Nun will das Unternehmen eine Kampagne gegen Antisemitismus starten. Sie schiebt das Projekt mit rund 100 000 Euro an. „Gemeinsam mit sachverständigen Organisationen sollen Projekte zur Bekämpfung der besorgniserregenden Entwicklung an Schulen ausgesucht werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Schwerpunkt solle in Berlin liegen.

Das lässt die Kritik an BMG nicht abklingen. Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee warf den Verantwortlichen der Plattenfirma in einer Mitteilung „Zynismus“ vor. Dieser beschreibe „genau das Dilemma unserer Gesellschaft, in der ein rohes Wegrutschen junger Menschen aufgrund einer sinn- und werteentleerten Unternehmenspolitik und einer ausschließlich am Gewinnstreben orientierten Publikationsstrategie immer möglicher erscheint.“ Dies alles mit dem Anspruch zu verknüpfen, die künstlerische Freiheit zu verteidigen, sei „pure Heuchelei“.

Zu internen Diskussionen bei der BMG-Mutter Bertelsmann oder zu Reaktionen der Besitzerfamilie Mohn wollte sich ein Sprecher gestern nicht äußern. Auf Anfrage hieß es dazu: „Bertelsmann behandelt das Thema auf allen Ebenen sehr ernsthaft.“ Und weiter: „Bertelsmann distanziert sich von jeder Form von Antisemitismus und Diskriminierung. Die Unternehmensgrundwerte sind eindeutig: Bertelsmann fördert die künstlerische und geistige Freiheit, den Schutz von Demokratien und Menschenrechten, den Respekt vor Traditionen und kulturellen Werten; deshalb spiegeln unsere Inhalte eine Vielfalt von Einstellungen und Meinungen wider.“

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