Pläne sind da – Baugenehmigung fehlt

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Die Archäologische Staatssammlung: Die Architektur stammt von Helmut von Werz. K. Haag

Ausstellung . Die Archäologische Staatssammlung macht mit der Schau „Vergangenheit + Zukunft“ neugierig auf ihren Neuanfang.

Von Simone Dattenberger

Wann denn nun das Haus der Archäologischen Staatssammlung München tatsächlich schließe, kann auch deren Chef Rupert Gebhard nicht beantworten. „Die Haushaltsunterlage Bau muss noch genehmigt werden“, erklärt er, weil weiterhin „das Maximum an Einsparmöglichkeiten“ erforscht werde. Er hofft auf den März, dass dann eine Vorentscheidung fällt. Klar ist: Schon die Auslagerung ist ein Mega-Unternehmen. Museums- und Depotbestände müssen transferiert und sicher aufbewahrt werden. „In einem Jahr sind wir wahrscheinlich draußen“, meint Gebhard. Jetzt wendet man sich noch einmal mit der Sonderausstellung „Vergangenheit + Zukunft“, die einen Teil der Dauerschau miteinbezieht, an seine Besucher – schaut also zurück und nach vorne.

Die Zukunft liegt in der kompletten technischen Ertüchtigung des stahlumhüllten Baus (1972–1975) von Helmut von Werz und Kollegen. Dazu kommen eine 700 Quadratmeter große, stützenlose Halle unter der Erde, die durch Oberlicht-Kuben Sonnenschein einlässt, ein luftiges Foyer inklusive Veranstaltungsraum beziehungsweise Platz für Museumspädagogik und – wie schön – ein Dach-Café. Nieto Sobejano Arquitectos (Madrid, Berlin), die zum Beispiel das Universalmuseum Joanneum Graz entwarfen, hatten 2014 den Wettbewerb gewonnen.

Natürlich zerbrächen sich jetzt schon alle Kollegen die Köpfe, wie die neue Dauer-Präsentation aussehen solle, berichten Bernd Steidl, stellvertretender Direktor und Römerzeit-Experte, sowie Harald Schulze, zuständig für den Mittelmeerraum und Vorderen Orient. Deswegen zeigt die aktuelle Schau nicht nur Skizzen und Simulationen aus dem Architekturbüro, sondern auch Modelle des Stuttgarter Ateliers Brückner, das zum Beispiel in München das BMW Museum gestaltet hat. Noch ist nicht alles festgeklopft, aber man steuert das „Abenteuer Archäologie“ an. Auf der unteren Ausstellungsebene können wir erleben, „wie die Archäologie zu ihren Erkenntnissen gelangt“, so die beiden Konservatoren. Da kann man sich in einen Zeit-Wirbel stellen und entdecken, wie die Wissenschaft welche Entstehungszeiten allen möglichen Objekten zuweist. Und das geht nur mit unterschiedlichen Techniken – je nach Material von Holz bis Ton. In diesem Bereich wird außerdem der noch nie gezeigte Neufund, ein Grab eines Kelten-Fürsten, vorgestellt werden – zusammen mit den avanciertesten Methoden.

Die obere Ebene wird als „begehbares Archiv“ gesehen. Chronologie und Themen werden hier verknüpft. Erzählt wird von Land- und Stadtbewohnern oder von Religionen, Bestattungsriten und Jenseitsvorstellungen. Endlich wird der Besucher dann das Museum in seiner Fülle genießen dürfen: von der Steinzeit in unserer Heimat bis zum Mittelalter, etwa mit Chorschranken, die eben auch in dieser Sammlung zu finden sind. Dass all das medial bis hin zum Klangerlebnis aufbereitet wird, versteht sich von selbst.

Die Vergangenheit leuchtet die Sonderausstellung mit klug dosierten Informationen aus. Fotos, alte Grafiken und extra gekennzeichnete Exponate – etwa der älteste Fund, 1762, ein römischer Weihestein – erzählen vom Entstehen, Wachsen und Professionell-Werden einer Sammlung. Die Wittelsbacher besorgten sich fürs Antiquarium Altertümer, sogar heimische. Anfang des 19. Jahrhunderts war das Bewusstsein so weit, dass ein erstes Sammlungsgesetz erlassen wurde. Teile aus Regensburg wurden nach München gebracht; mehr und mehr versuchten die Forscher, Systeme und Ausstellungen zu entwickeln. An einige von ihnen wird mit Plakaten erinnert, etwa an „Aus Münchens Vorzeit“ von 1927. 1974 konnte die Staatssammlung in ein modernes Haus einziehen. Beim Anblick der Fotowand und dem noch vorhandenen Interieur wird jedem Sechzigerjahre-Fan das Herz heftig klopfen. Damals schon wurde übrigens die Verdoppelung der Schaufläche mitgedacht – aber in den 40 Jahren bis heute nicht realisiert. Auch jetzt reicht es nur für eine kleine Lösung.

Immerhin betreut die Institution, die berühmt ist für ihre Restaurierungstechnologie, elf Zweigmuseen. So wurde gerade der „Weißenburger Götterhimmel“ restauriert. Ihn, traumhaft schön herausgeputzt, dürfen die Ausstellungsbesucher als Erste bewundern, bis er wieder nach Weißenburg zieht. Dass die Statuetten es mit denen aus Pompeji aufnehmen können, darüber sind sich die Münchner Archäologen einig.

29. Januar bis 5. Juni

Di.–So. 9.30–17 Uhr; Lerchenfeldstraße 2.

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