Pistole statt OP-Kittel

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Neuzugang Sebastian König (Mark-Alexander Solf, Mi.) ist der Neffe von Dr. Lauser-König aus dem Innenministerium. Das sorgt vor allem bei Stadler (Dieter Fischer) und Stockl (Marisa Burger) für Nervosität. foto: zdf

Mark-Alexander Solf ist der Neue bei den „Rosenheim-Cops“ – Im richtigen Leben ist der 33-Jährige jedoch Anästhesist. von angelika mayr.

Den neuen Rosenheim-Cop zu erwischen ist nicht einfach. Mark-Alexander Solf spielt ab heute, 19.25 Uhr, neun Folgen lang im ZDF den Aushilfskommissar Sebastian König, und ist im wahren Leben Anästhesist am Isar Klinikum an der Münchner Sonnenstraße. Und so versetzt der 33-Jährige einen erst einmal prompt: Notfall im OP.

Der letzte Aushilfsermittler, Florian Fitz als Hauptkommissar Dirk Bergmann, fiel bei den Fans durch. Sein Casanova-Gehabe wirkte deplatziert im bodenständigen Voralpenland. Zwar wird König auch als preußisches Pendant zu den G’mütlichkeits-Ermittlern eingeführt – so verlangt es das Gesetz der Serie. Doch ansonsten ist der Kommissar-Frischling mit akkuratem Seitenscheitel darauf bedacht, sich einzuordnen. Und er hat ein Ass im Ärmel: „Der Neue“, wie ihn Sekretärin Miriam Stockl (Marisa Burger) liebevoll nennt, ist der Neffe von Dr. Lauser-König. Jenem Angst-Tier aus dem Innenministerium, bei dessen bloßer Namensnennung Rosenheim-Chef Gert Achtziger (Alexander Duda) schon zittert. Und dieser „Onkel Dietmar“ wird natürlich eine Rolle spielen...

Außer der Gewissenhaftigkeit habe er mit der Rolle nichts gemein, sagt Solf im Interview. Sein Dreitagebart käme nur für die Dreharbeiten ab. Und die Eltern – oder der Onkel – sind weder Schauspieler noch Ärzte. Die Entscheidung für die Otto-Falckenberg-Schule in München fiel aus reinem Interesse, die für das Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität danach aus einem anderen Grund: „Der Schauspielberuf hat viele Angriffsflächen subjektiver Art wie Kritiken, die man nicht widerlegen kann. In der Medizin kann man in der Regel mit ,Eins und eins ist zwei‘ argumentieren.“ Außerdem glaube er, dass Kritik von einer subjektiven Beziehung zum Schauspieler nicht getrennt werden könne.

Unter Intendant Dieter Dorn widmete sich Solf von 2007 bis 2011 am Residenztheater Dialogen aus Kleists „Zerbrochnem Krug“ und Molières „Misanthrop“ in der Fassung von Botho Strauß. Die Dialoge der „Rosenheim-Cops“ werden hingegen gerne am Reißbrett entworfen. „Ein Abstieg ist es in keinster Weise“, sagt Solf. Es sei ein anderes Arbeiten. Bei so knapp getakteten Dreharbeiten wäre Shakespeare unmöglich. Auch das Auffinden der Leiche stets zum Frühstück sieht Solf positiv: „In der Serie ist eine Stringente drin. Aber der Erfolg unterstreicht die Richtigkeit für das, was dort gemacht wird.“

Richtig sei auch damals seine Entscheidung für den Beruf des Arztes und gegen den des Schauspielers gewesen. Doch sie war hart. Erst diesen Februar setzte Solf wieder einen Fuß ins Resi: Der Arzt hatte Theater-Dienst. „Ich konnte davor nicht reingehen, es hätte mir zu wehgetan.“ Der neue Intendant Martin Kušej habe damals keine Teilzeit-Schauspieler mehr gewollt. „Ich musste mich entscheiden: Mache ich weiter mit dem Studium? Ich war im achten Semester.“ Zwei Tage nach seiner letzten Medizin-Prüfung vor einem Jahr beäugte er bereits in Rosenheim eine Wasserleiche.

Sein Kommissar König spiele in der Klinik keine Rolle. „Das darf er auch nicht. Da muss ich Arzt sein. Der Schauspieler Solf ist dort non-existent.“ Doch am Tag der offenen Tür hätten wohl Damen nach ihm gefragt: Sie wollten den neuen Cop kennenlernen. Kollegen mussten trösten, Solf hatte frei. Und was macht er dann? „Dann geht er für zwei Stunden mit dem besten Freund in die Stadt. Und am Sonntag war er – total bescheuert – bei riesigem Schneesturm auf dem Berg und war froh, als er wieder heruntergekommen ist.“

Auf die Frage, wieviel Freizeit ihm bleibe, antwortet Solf diplomatisch: „Ich habe das Gefühl, dass alle in meinem Umfeld viel arbeiten. Dementsprechend kann man, glaube ich, die Frage nach dem Privatleben jedem stellen.“ Seinen OP-Kittel samt Mundschutz möchte Solf trotzdem nicht missen, ebenso wenig aber den „Nebenverdienst“. Die Bitte auf Konzentration habe er bei Vorstellungsgesprächen 2014 oft zu hören bekommen. Aber auch, dass er beides „unbedingt“ weiter laufen lassen solle.

Ob er je wieder Ensemblemitglied am Theater sein wird, „liegt in der Hand der Intendanten“, sagt Solf. „Es ist aber auch eine zeitliche Frage: Man braucht für Proben zwei Monate en bloc frei. Beim Drehen kann ich einen Tag in der Woche in die Klinik gehen“, erklärt der Schauspieler. Ob er in der nächsten Staffel in Rosenheim wieder Polizeihauptmeister Michi Mohrs (Max Müller) Kekse ungefragter Weise verputzen darf wie in der heutige Folge, steht noch nicht fest.

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