Pilgerreise für den Geist

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Yo-Yo Ma, mit seinem Cello mutterseelenallein auf der Bühne der Philharmonie im Münchner Gasteig. Foto: Peter Meisel

Meister Yo-Yo Ma begeisterte die Münchner mit Bach-Suiten. Ein schwarzes Tischchen mit Wasserglas, ein Cellopodest und ein Stuhl.

Ansonsten war die Riesenbühne der Münchner Philharmonie leer. Auf ihr nahm dann, mutterseelenallein, der Starcellist Yo-Yo Ma Platz. Beeindruckend wirkte das, besonders weil sofort klar war, dass Ma diesen Raum mit seiner Persönlichkeit mühelos ausfüllen konnte. Durch seine menschliche, warme, herzliche Ausstrahlung baute er eine Brücke zum Publikum, die trotz der weiten Dimensionen eine konzentrierte, private, zeitweise sogar intime Atmosphäre ermöglichte. Und die war für die Sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach auch nötig, die Ma im Rahmen seiner „Mini-Residenz“ beim BR-Symphonieorchester spielte.

Ma gelang es den ganzen Abend über, immerhin knapp zweieinhalb Stunden netto Musik, die Spannung hochzuhalten. Denn er bediente die gesamte „Klaviatur“ des Cellos, variierte und spielte mit Farben, Dynamik und Tempo. So machte er die polyphonen Strukturen und harmonischen Zusammenhänge des Werks erlebbar. Schon das populäre „Prelude“ der ersten Suite nahm er, entgegen so mancher Modeerscheinung, eher getragen. So erhielten zwar alle Noten ihr eigenes, individuelles Gewicht, aber alles in einem Guss, harmonisch aufeinander abgestimmt als ein zusammengehöriges Ganzes präsentiert. Schwungvolle Momente, wie beispielsweise die „Bourée“ (dritte Suite), gerieten lustvoll und tänzerisch, doch immer mit großem Geschmack, nie derb und erst recht nicht als effekthascherisches Zierstück. Der weitgehende Verzicht auf Vibrato stand den langsamen Sätzen hervorragend, in denen Ma all seine Spiel- und Interpretationskunst bündelte. Beispielsweise in der „Allemande“ (fünfte Suite), in der er  flüsternd, schmelzend, sehrend zärtlich umschmeichelte und so dramaturgisch fesselnde Wirkung erzielte. Daher wurden die Bach-Suiten  für  das  begeisterte Publikum zu dem, als was sie Ma  selbst  betrachtet:  zu einer  Pilgerreise für den Geist. Maximilian Maier

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