JOJA WENDT KREUZT EFFEKTVOLL KLASSIK MIT JAZZ

Piano-Galaxie

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Von Anna Schürmer. Auf einer Videoleinwand im nicht vollständig ausverkauften Münchner Prinzregententheater läuft die Adaption eines Logbuch-Eintrags aus „Raumschiff Enterprise“.

Eine Stimme aus dem Off kündigt an, dass „an diesem Abend ein Flügel mit seiner zehnfingrigen Besatzung in neue Harmonien vorstößt“; danach meldet eine goldene Schrift den Gastgeber des intergalaktischen Klavierabends an: Joja Wendt. Der Hamburger Pianist verspricht „das unterhaltsamste Konzert der Welt“. Damit hängt er selbst die Latte hoch für seine „Kunst des Unmöglichen“, klassische Musik mit Heavy Metal, Jazz und Hip-Hop zu kreuzen.

In der ersten Programmhälfte widmet sich Wendt der unterhaltsamen Aktualisierung klassischen Repertoires. Die „Morgendämmerung“ Edvard Griegs wird bei ihm ebenso zur jazzigen Schnulze mit virtuosen Fingerspielen wie Frédéric Chopin und der „Godfather of music“, den er mit selbstgefälligem Witz als „Joja Sebastian Bach“ ankündigt. Und hier liegt das Problem. Wendt ist ein guter Pianist und ein noch besserer Entertainer; mit zunehmender Dauer des Konzerts aber nervt die Großspurigkeit, mit der er immer wieder „unfassbare Geschwindigkeiten“ angekündigt. Wer so auftritt, muss mehr liefern als schnelle Finger, donnernde Anschläge und eine aufwendige Bühnenshow. Damit reißt er zwar sein Zielpublikum buchstäblich von den Sitzen, doch Wendt vergisst die leisen und feinen Zwischentöne, weil er ein André Heller pianistischer Illusionen sein will.

In der zweiten Konzerthälfte lässt Wendt seine Hörer auf gestimmten Gläsern mitspielen und zu Fats Dominos „Blueberry Hill“ mitsingen. Wenn er dem jüngst verstorbenen Chuck Berry die Ehre erweist, hört man den ausgezeichneten Jazzpianisten Wendt und wünscht sich, er möge sein Können für sich selbst sprechen lassen.

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