LEIF OVE ANDSNES, DAS PHILHARMONIA ORCHESTRA UND ANDRIS NELSONS

Pianist der Klarheit

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Beim ersten Hinhören gibt es das Gefühl: Das passt!

Solist Leif Ove Andsnes, das Philharmonia Orchestra und Dirigent Andris Nelsons gehen das d-Moll-Klavierkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart in der Münchner Philharmonie im Gasteig von der gleichen musikalischen Seite her an – schlank, transparent, direkt. Doch im Laufe des Stücks will sich keine vollauf selig machende partnerschaftliche Einheit einstellen. Andsnes erzielt gerade in der Schlichtheit große Wirkung. Durch stupende Technik und glasklare Artikulation ist sein Spiel ungemein energetisch. In der Schlusskadenz des dritten Satzes setzt er die Töne so sehnig und kraftvoll, wie wenn ein Bogen gespannt wird. Diese intensive Schönheit bestimmt auch die Zugabe, „Romanze“ von Jean Sibelius. Auch hier verzichtet Andsnes auf jegliche Effekte, denkt das Stück ganz „klassisch“ und berührt so mit der Musik des Finnen.

Dem Philharmonia Orchestra gelingt es nicht immer, Andsnes’ Energie mitzutragen und darüber hinaus etwas beizusteuern. Gerade im Piano zeigt sich die große Klangkultur des Orchesters. Nelsons verzichtet aber weitgehend auf musikalische Trennschärfen. Er begleitet wunderbar, gerade im zweiten Satz. Das ist gekonnt und wohltuend unaufgeregt, allerdings auch wenig aufregend.

Das Abgründige, Dunkle, Tragische in der Musik stellt Nelsons auch bei der neunten Symphonie von Anton Bruckner hintan. So wirkt zum Beispiel der mysteriös grummelnde Beginn ungewohnt geheimnislos. Und auch das Adagio bleibt in den vielen dynamischen Übergängen Stückwerk, Details verschwimmen. Die Einzelstimmen überzeugen, wie die wunderbaren Holzbläser und die auffallend wuchtigen Celli. Das Blech offenbart einige Unsicherheiten, wobei sie bei Andris Nelsons hörbar alle Freiheiten genießen, was auf Kosten des restlichen Apparates geht. Wirklich aussagekräftig ist das Scherzo, das Nelsons markant und saftig nimmt, dabei aber immer agogisch und zielgerichtet bleibt. Maximilian Maier

Zurück zur Übersicht: Kultur & TV

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare