MATINEE DER HEINZ-BOSL-STIFTUNG IM MÜNCHNER NATIONALTHEATER

Party nach dem Stierkampf

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von malve gradinger. Klassischer Tanz im Wandel der Zeit: Zum Auftakt gab’s noch die „Raymonda“-Mazurka, aber insgesamt war es diesmal eine „Modern-Ballet“-Matinee der Heinz-Bosl-Stiftung, traditionell bestritten von der Ballettakademie der Münchner Musikhochschule und Ivan Liškas Bayerischem Junior Ballett.

Das Publikum im Nationaltheater war hörbar angetan.

David Russo, Akademie-Pädagoge vor allem für modernen Tanz, jagt zwölf Studenten durch sein „Again(st)“, das zu meist hart perkussiver Musik die Zerrissenheit junger Menschen Körper-explosiv abbildet: zwischen dem Bedürfnis sich anzupassen, zugleich auch sich rebellisch abzugrenzen. Den Studenten Diego Urdangarin Ferreira und Lotte James gelang (wohl auch durch Russos pädagogisch inspirierenden Einfluss) mit ihren Pas de deux „Equality“– geschmeidig-elegant getanzt von Olivia Swintek und Arnau Redorta Ortiz – und „Evanesce“ eine jeweils sehr gelungene Bachelor-Abschlussarbeit.

Beide beherrschen das auch vielfach zu Boden gehende, modern-zeitgenössische Vokabular. Lotte James, die zusammen mit Ferreira „Evanesce“ selbst tanzt, vermittelt obendrein mit verhaltenem gestischem Ausdruck ihre eigene Depressionsphase.

Liškas Junior Ballett wartet auf mit Norbert Grafs „Blues in a Minor“, in dem die von Paul Klee für seine Kinder entworfenen Fingerpuppen lebensgroß zu tänzerischem Leben erwachen: Eloise Sacilotto und Florimon Poisson schlaksen da kantig-jazzig über die Bühne. Aszure Barton, international gefragt, 2015 mit „Adam is“ auch schon zum zweiten Mal fürs Staatsballett kreativ, schuf jetzt für neun exzellent dahinschwebende Junior-Mitglieder „Nonett“: eine neo-pastorale abstrakte Choreografie zu postmodern lang gezogenen Streichertönen und spielerisch glöckelndem Klavier – eine Art Frühlings-(Tanz-)Gedicht.

Der Clou dieser Matinee war jedoch „Petite Corde“ von Marek Svobodnik aus Prag. Zum Andante von Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 huldigt er seinem berühmten Landsmann Jiří Kylián und dessen „Petite Mort“. Einfach hinreißend, wie – ganz Kyliáns Humor erfassend – sieben Tänzer mit fantasievoll (um-)geschwungenem Torero-Tuch und Sektglas, assistiert von ihren Damen, eine After-Stierkampf-Party feiern.

Weitere Vorstellung

am 6. Mai, Tel. 089/ 33 77 63.

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