Ein Parfüm, das zu Gift wird

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Vorsicht, gefährlich! Der Vicomte de Valmont (Armin Kahl) und Madame de Merteuil (Anna Montanaro, M.) spielen ihre intriganten Spielchen. Eines der Opfer: Madame de Tourvel (Julia Klotz, r.).

gärtnerplatztheater    . Marc Schubring wagt sich mit einer eigenen Musicalkomposition an Choderlos de Laclos’ „Gefährliche Liebschaften“.

von Maximilian Maier

„Das Tollste ist: Mozart war schon hier,“ meint Komponist Marc Schubring mit einem Grinsen, während er durch das Cuvilliéstheater streift. Lustigerweise wurde hier 1781 der „Idomeneo“ uraufgeführt, also genau ein Jahr, bevor der Roman „Les Liaisons dangereuses“ von Laclos erschien. Das Buch sorgte ob seiner obszönen Handlung und schonungslosen Abbildung der moralisch-sittlichen Verhältnisse in der Zeit des Ancien Régime für großes Aufsehen. Es fand schnell in ganz Europa reißenden Absatz.

Nach etlichen Adaptionen für Film und Bühne wagt sich nun das Staatstheater am Gärtnerplatz mit einer Musicalversion an das Werk. „Der Stoff hat mich förmlich angesprungen“, erzählt der 46-jährige Schubring, der bereits auf eine ganze Reihe sehr erfolgreicher Musicalkompositionen, darunter eines der meistgespielten deutschen Musicals, „Fletsch-Saturday Bite Fever“, zurückblicken kann. „Das dunkel Erotische, Doppelbödige, Verlogene an diesem Stoff hat mich neugierig gemacht. Ich habe aber schnell gemerkt, was ich mir da für eine Last aufgebürdet habe. Denn das muss man ja alles in die Musik packen.“

In Schubrings Komposition lauern die Heuchelei, die versteckten Intentionen der handelnden Charaktere. Sie ist quasi ein psychologisches Röntgenbild, das die okkult boshafte Durchtriebenheit der Handlung aufdeckt. „Musik ist hier wie ein duftendes Parfüm, das langsam, unmerklich-schwelend zu Gift wird“, meint der Komponist. Greifbar wird das beispielsweise, wenn kurze musikalische Schläge im 23-köpfigen Orchester orgiastische Stöße illustrieren, diese später fast unmerklich als vermeintlich harmlose Begleitung auftauchen, um dann aufbrausend als Kopulationsmetapher wiederzukehren.

Während des Komponierens heißt es bei Schubring ganz klar: Prima la musica! Nach intensiven Gesprächen mit dem Autor Wolfgang Adenberg, in denen die dramatischen Abläufe festgelegt werden, schreibt Schubring zuerst die Musik; dann erst legt sein langjähriger künstlerischer Partner Adenberg den Text darüber. Ein erfolgreiches Team. „In unserem zweiten Musical ,Cyrano de Bergerac‘ hat Jonas Kaufmann gesungen. Wahrscheinlich das einzige Musical, das der je gemacht hat“, lacht Schubring.

Im Gegensatz zu vielen Opernkomponisten hatte er sein Werk zu Probenbeginn schon fertig. Dabei ist er durchaus zu Kompromissen bereit, etwa wenn sich melodramatisch übersprochene Musik als zu lang herausstellt. „Da streichen wir dann was weg, um den Lauf der Handlung nicht zu beeinträchtigen.“ Das Ensemble ist mit Feuereifer beim Proben und Schubring hochzufrieden.

Die Idee, die „Gefährlichen Liebschaften“ zu vertonen, hatte der sympathische Berliner nahezu zeitgleich mit Intendant Josef E. Köpplinger, der auch Regie führt. Ihm zur Seite steht Choreograf Adam Cooper, berühmt durch den Film „Swan Lake“.

„Macht macht geil!“ – so wirbt das Theater für die „Gefährlichen Liebschaften“. Die manipulative Macht des Sex ist ein brandaktuelles Thema, „50 Shades of Grey“ zeigt es. Und nackte Tatsachen gibt es auch im Cuvilliéstheater zu sehen. „Darum haben sie wahrscheinlich die Altersempfehlung 15 Jahre abgegeben“, schmunzelt Schubring und begibt sich wieder auf die Pfade seines berühmten Kollegen.

„Gefährliche Liebschaften“

ist ab Sonntag bis 6. März im Cuvilliéstheater zu sehen; Telefon: 089/ 21 85 19 60.

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