FU MANCHU FETZTEN MIT STONER-ROCK DURCHS MÜNCHNER FEIERWERK

Ohrenklingeln

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Fu Manchu aus Kalifornien. Foto: Andrew Stuart

Nach zwei Stücken schickt Scott Hill eine Anweisung an den Lichtmann.

„Kannst du den Scheinwerfer hier ausmachen? Der hat verdammte 1000 Grad.“ Während vor der Tür die Schneeflocken den Frühlingsanfang karikieren, herrschen im Münchner Feierwerk Saunatemperaturen. Aber Hill ist es egal, ob man ihn sehen kann. Hauptsache man hört ihn und seine Band Fu Manchu. Und wie. Nach eineinhalb Stunden Stoner-Rock mit durchgetretenem Gaspedal gehen die Konzertbesucher mit einem kräftigen Klingeln im Ohr nach Hause.

Bei Fu Manchu weiß jeder, was er bekommt. Seit über 30 Jahren und zwölf Studioalben haben die Rocker ihre Verstärker auf Anschlag aufgedreht. Und solange das Fuzz-Pedal genügend Strom bekommt, wird sich am Sound von Fu Manchu wohl auch in den nächsten drei Jahrzehnten nichts ändern. Simple Gitarrenriffs, die aber derart mächtig sind, dass sie einem die Luft aus der Lunge drücken. Dazu Scott Hills Sprechgesang, mit dem er von Autos, Ufos und schlechten B-Movies aus den Siebzigern erzählt – und natürlich die obligatorische Kuhglocke, auf die Schlagzeuger Scott Reeder kompromisslos eindrischt. Es ist ein Sound aus der Wüste: staubig, trocken, brachial. Ihren Ursprung haben Fu Manchu in der südkalifornischen Surfer- und Skaterszene. Frontmann Scott Hill ist das bis heute anzusehen. Hose und Polo-Shirt zwei Nummern zu groß, und in seiner Mähne könnten gut   und  gerne  noch  ein paar  Krümel Pazifik-Salz und Mojave-Wüstenstaub hängen. Auch im Publikum scheinen einige Fans der ersten Stunde dabei zu sein. Doch den Stagedive und die wilde Pogo-Runde in den vorderen Reihen überlassen sie lieber dem Nachwuchs. Die Altrocker beschränken sich auf vehementes Kopfnicken und ein breites Lächeln. Denn der ohrenbetäubende Abend im Feierwerk zementiert die Erkenntnis: Die Zeit vergeht. Aber Fu Manchu besteht. Dominik Göttler

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