Ohne Finanzpolster in die Zukunft

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Alexander Pereiras Kurs hat die Rücklagen der Salzburger Festspiele aufgebraucht von georg etscheit

Die starke Ausweitung der Salzburger Festspiele unter Intendant Alexander Pereira hat das Finanzpolster des Festivals restlos aufgezehrt. „Wir kommen wohl 2013 mit einer schwarzen Null heraus. Tatsache ist aber, dass unter Pereira vier Millionen Euro an Rücklagen aufgebraucht wurden, obwohl wir Rekordeinnahmen aus dem Kartenverkauf und dem Sponsoring verzeichnen konnten“, sagte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. „Sein Nachfolger wird ohne Sicherheitspolster starten müssen.“

Pereiras auf starkes Wachstum ausgerichteter Kurs war im Kuratorium der Festspiele, dem politischen Aufsichtsgremium, wiederholt auf scharfe Kritik gestoßen (wir berichteten). Dass rote Zahlen letztlich vermieden werden konnten, verdankt sich zum Teil auch neuen Regeln, wonach Operninszenierungen jetzt über mehrere Jahre abgeschrieben werden. „Das ist aber kein Finanztrick, sondern folgt den gängigen Bilanzierungsregeln“, sagte Rabl-Stadler.

Wie berichtet, wird Pereira die Festspiele nach Ende der Saison 2014 vorzeitig verlassen, um Intendant der Mailänder Scala zu werden. Der immer raschere Wechsel der Festspielintendanten in den vergangenen Jahren ist nach Einschätzung von Rabl-Stadler kein gutes Aushängeschild für das weltgrößte Musik- und Theaterfestival. „Ich würde nicht von einer Krise sprechen, aber natürlich sind solche Kurzintendanzen nicht das, was sich Festspiele wünschen.“ Trotzdem habe Pereira gute Arbeit geleistet und werde mit der Ouverture spirituelle, einer Woche mit Sakralmusik zu Beginn der Festspiele, und der künstlerischen Neuausrichtung der Salzburger Pfingstfestspiele unter Cecilia Bartoli Bleibendes hinterlassen.

Von Markus Hinterhäuser, der vom Jahr 2017 an neuer Intendant an der Salzach werden wird, erhofft sich Rabl-Stadler wieder eine neue Ära. „Zehn Jahre sind eine gute Zeit, um den Festspielen einen Stempel aufzudrücken.“ Die 65-Jährige, seit 1995 Präsidentin der Festspiele, wird 2017 die Salzburger Bühne verlassen. Als ihr eigenes Verdienst rechnet sie sich an, die Festspiele demokratischer gestaltet zu haben, etwa mit Einführung der Siemens-Festspielnächte. Allein im vergangenen Jahr habe es zwölf Live-Übertragungen auf eine tageslichttaugliche Großleinwand in der Salzburger Altstadt gegeben. Auch international wollten die Festspiele mit solchen und ähnlichen Angeboten in Zukunft verstärkt auf sich aufmerksam machen.

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