Ohne Berührungsängste

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Klaus Florian Vogt

Klaus Florian Vogt mit einem Opern- und Operettenprogramm in der Philharmonie. Mittlerweile ist es direkt Mode geworden, dass sich bedeutende Sänger, besonders Tenöre, offensiv der Operette widmen.

Auch Klaus Florian Vogt steht da nicht hinten an und präsentierte sich am Sonntag in der Münchner Philharmonie mit einem Programm aus Operettenhits und Wagner. Beachtlich und wohl heute singulär war, dass er die Ausschnitte aus den „Meistersingern“, der „Walküre“ und „Lohengrin“ vor der Pause sang und sich danach der leichteren Muse widmete. Vogt führte auch selbst sympathisch und anekdotengewürzt durchs Programm.

Der Holsteiner ist sicher der unkonventionellste Heldentenor. Mit silberhellem, klarem, knabenhaftem Timbre gelangen ihm Siegmunds „Winterstürme“ fast schon zu souverän und dadurch ein wenig undramatisch. Gänsehautmomente bescherte sein Bravourstück, Lohengrins „Gralserzählung“. Hier passte die blütenreine, unbedarft tönende Stimme ideal, das berühmte Pianissimo auf „Taube“ sorgte für Schnappatmung im Publikum. Letzteres leistete sich auch Vogt, nur wurde das in Taminos schön vorgetragener „Bildnisarie“ zum Manko. Er musste oft zwischenatmen, zerstückelte so die musikalischen Bögen. Aber wohl dem Wagner-Sänger, der noch so Mozart singen kann! In den folgenden Schlagern wie „Ach so fromm“ oder „Dein ist mein ganzes Herz“ fehlten Vogts Stimme etwas Schmelz, die tiefe Lage und strahlende Spitzentöne, all das, was diese Werke eigentlich brauchen.

Die Staatskapelle Weimar begleitete sehr geschmackvoll. Doch leider dirigierte Stefan Solyom so konturlos und verschleppt, dass Knaller wie das „Meistersinger“-Vorspiel oder der „Walkürenritt“ ihrer Wirkung beraubt wurden. Mit „Immer nur lächeln“, bei dem Vogt große Parlandokultur zeigte, und einem fulminanten „Freunde, das Leben ist lebenswert“ als Zugaben entließ er das begeisterte Publikum – da „das Programm auf meine Kräfte und nicht auf Ihre zugeschnitten ist“. maximilian maier

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