IMPROVISATIONS-„TATORT“ ERZIELT SCHLECHTE QUOTE UND SORGT FÜR HEFTIGE DISKUSSIONEN – SENDER VERTEIDIGT IDEE

„Nur dumme Laberei“

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Abwärts ging es am Sonntag mit der „Tatort“-Quote. Nur 6,35 Millionen Fans wollten „Babbeldasch“ mit Ulrike Folkerts sehen. Babirad

Von Carsten Rave und Rudolf Ogiermann. Es sollte ein außergewöhnlicher Fall werden, und außergewöhnlich war der „Tatort“ mit dem Titel „Babbeldasch“ am Ende auch – allerdings nicht so, wie sich die Macher das erhofft hatten.

Nur 6,35 Millionen Zuschauer wollten den jüngsten ARD-Sonntagskrimi mit Ulrike Folkerts als Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal sehen, so wenige wie seit dem 5. Juli 2015 nicht mehr. Damals erzielte der Schweizer Fall „Schutzlos“ sogar nur 6,12 Millionen Zuschauer. Vor einer Woche interessierte die Kölner Episode „Tanzmariechen“ dagegen noch fast elf Millionen Krimifans.

Der Fall „Babbeldasch“, in dem es um den Mord an der Prinzipalin eines Amateurtheaters ging, war ohne festes Drehbuch entstanden, die Darsteller, unter ihnen viele Laien, improvisierten, viele von ihnen sprachen im Pfälzer Dialekt. Unter anderem daran entzündeten sich die Diskussionen der Zuschauer in den Sozialen Netzwerken wie Twitter. So wünschte sich ein User Untertitel und konstatierte: „Nette Idee, leider schlecht umgesetzt.“ „Nur dumme Laberei“, fand ein Zuschauer bei Facebook. „Ich habe bisher bei jedem ,Tatort‘ die Fahne für euch hochgehalten“, meinte ein anderer: „Aber das geht gar nicht.“

Doch es gab auch positive Kommentare. „All die Typen, die nach fünf Minuten so genau Bescheid wissen über den Untergang des Fernsehabendlandes, schreien nächste Woche beim normalen ,Tatort‘ wieder: ,Laaangweilig!‘“, prophezeite ein Fan.

Die „Bild“-Zeitung hatte die Folge von Regisseur Axel Ranisch bereits am Samstag vorab als „schlechtesten ,Tatort‘ aller Zeiten“ verrissen und sogar eine „Einschaltwarnung“ ausgesprochen. Dabei kritisierte die Zeitung unter anderem ebenfalls die schwer zu verstehenden Szenen in pfälzischer Mundart. „Spiegel online“ schrieb von einem „Ausnahme-„Tatort“, der „leider nicht aufgeht“. Die „Welt am Sonntag“ ergänzte: „Und – aber das wussten wir eh – Pfälzisch ist nur in Maßen zu genießen, sonst werscht verriggt.“

François Werner, Betreiber der Fanseite „,Tatort‘-Fundus“, sagte, er finde die teils harsche Kritik „völlig überzogen. Ich glaube, darin steckt eher eine Kritik an der generellen Experimentierfreudigkeit am ,Tatort‘.“ Der Einsatz der Mundart sei „schon deshalb positiv, weil es zum ursprünglichen Konzept von 1970 gehört und in jedem ,Tatort‘ präsent sein sollte“, so Werner.

Der für die Ludwigshafener Fälle verantwortliche Südwestrundfunk (SWR) reagierte gelassen auf die Kritik und die schwache Quote. „Selbstverständlich hätten wir uns mehr Zuschauer für ,Babbeldasch‘ gewünscht“, so Fernsehfilmchefin Martina Zöllner gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Offenbar hätten die „in unseren Augen liebenswürdigen Eigenheiten des Films“ das Publikum stärker als erwartet polarisiert. Die Krimireihe vertrage neben den klassisch erzählten Geschichten jedoch auch ungewöhnlichere Impulse: „Deshalb freuen wir uns natürlich, dass es auch viele Zuschauer gibt, die ihren Spaß an der Lebendigkeit und Frische der Dialoge äußern und die uns bei dieser Hommage an das Volkstheater gefolgt sind.“

Die Dreharbeiten zum nächsten Improvisations-„Tatort“ aus Ludwigshafen mit dem Titel „Waldlust“ haben wie berichtet bereits begonnen. Wie bei der Folge „Babbeldasch“ sind keine Dialoge vorgegeben, allerdings spielen keine Laien mit. Regie führt erneut Axel Ranisch, Sendetermin soll im Jahr 2018 sein. Zuvor zeigt die ARD im Herbst den Fall „Der sprechende Tote“ (Arbeitstitel), bei dem laut SWR Lena Odenthals Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) im Mittelpunkt steht.

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