Notizen aus bewegten Zeiten

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Verleger Hubert Burda veröffentlicht Aufzeichnungen über 25 Jahren Medienwandel – „Digitale Revolution 1990 – 2015“ . Von Philipp Vetter.

Ein echter digitaler Könner sei er nicht, behauptet Hubert Burda. Seine eigene Facebook-Seite betreiben zum Beispiel Mitarbeiter. Dass Burda, 74, kein digitaler Könner sei, ist natürlich eine Untertreibung. So früh wie wenige andere hat der Münchner Verleger („Focus“, „Bunte“) begriffen, dass mit dem Internet der Medienbranche nicht nur ein Wandel bevorstand und weiter bevorsteht, sondern eine Revolution. So heißt nun auch Burdas Zwischenbilanz: „Notizen zur Digitalen Revolution 1990 – 2015“ (Petrarca Verlag, 182 Seiten; 9,80 Euro/Hardcover: 19,80 Euro).

Diesen Begriff gab es noch nicht, als Burda 1990 begann, seine Gedanken zu den bevorstehenden Umwälzungen in kleinen Oktavheften festzuhalten. „Man wusste nur: Da kommt etwas Großes“, sagt Burda bei der Vorstellung des Buches in München. Meist sind es nur Stichworte, selten mehr als ein paar Sätze, die er schreibt, doch sie dokumentieren, dass Burda früh das Gefühl hatte: „Das ist eine Sache so groß wie Gutenberg.“

Burda spürte diese große Veränderung bereits 1990, als die Digitalisierung den kompletten Druckprozess seiner Zeitschriften deutlich vereinfachte. Damals wollte Burda eine neue Zeitung in Berlin aufbauen. Er habe einen Techniker gefragt, wie man denn im Berliner Verkehr die Artikel und Fotos rechtzeitig zur Druckerei bringen könne, erzählt Burda. „Durch diese Box“, habe der Techniker gesagt, und auf eine der ersten ISDN-Boxen gedeutet, mit denen sich die Daten, die man bislang mühsam mit dem Auto herumgefahren hatte, elektronisch versenden ließen. Damals habe er die Bedeutung begriffen. „Die Kinder werden fragen: Papa, wie war das?“, habe er gedacht.

Er reist bereits Anfang der Neunzigerjahre ins amerikanische Silicon Valley. „Das hatte etwas von meiner Studentenzeit in den Sechzigerjahren, etwas Bohèmehaftes“, sagt Burda. „Der Sound und Rhythmus war der Rock’n’Roll – eine Mischung aus Bohème und Rock’n’Roll war der Anfang des Internets.“ Burda lernt viele der heutigen Internet-Stars kennen: Sergey Brin und Larry Page zum Beispiel, die damals an ihrer Suchmaschine Google arbeiten. Und Burda beginnt, die digitale Elite nach München zu locken. Noch immer findet jährlich die Digital-Konferenz DLD an der Isar statt. Die Gäste sind hochkarätig.

2009 kommt ein damals noch vergleichsweise unbekannter junger Mann aus dem Silicon Valley. Mit diesem Herrn Zuckerberg solle er sich mal unterhalten, habe man ihm gesagt, erzählt Burda. Facebook, das Mark Zuckerberg gegründet hatte, war damals in Deutschland noch relativ unbekannt. „Ich habe noch ein Gedeck aufgetragen“, erzählt Burda, doch der fürs Abendessen eingeplante Gast taucht nicht auf. Zuckerberg war gleich in den ersten Stock abgebogen und fachsimpelte mit Burdas Kindern über das Soziale Netzwerk. „Der hat sich für mich überhaupt nicht interessiert“, erzählt Burda.

Natürlich habe der digitale Wandel nicht nur positive Seiten. Die Snowden-Enthüllungen über die globale Überwachung hätten auch seine Sicht auf die Digitalisierung verändert, sagt Burda. Die digitale Revolution fegt auch Geschäftsmodelle in vielen Branchen hinweg. Burda musste neue Geschäftsfelder erschließen. Trotzdem legt er seine Zwischenbilanz nun ausgerechnet als Buch vor. „Das Buch ist einfach die tollste Form“, sagt Burda. Er sei überzeugt, dass es auf Papier gedruckte Bücher, Zeitungen und Zeitschriften auch in vielen Jahren noch geben werde. Doch klar sei auch: Das letzte Kapitel der digitalen Revolution ist noch nicht geschrieben: „Wir stehen noch am Anfang.“

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