Nur noch Ikönchen

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Bald vergessen? Lana Del Rey im Blumen-Kimono. foto: falke

KONZERTKRITIK  Lana Del Rey kühlt das Münchner Zenith

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Lana Del Rey kühlt das Münchner Zenith

So cool, dass es einen friert. Lana Del Rey, 2011 per künstlicher Pop-Befruchtung erschaffene Queen of Düsternis, wehte mit ihrer ätherischen Zeitlupenmusik durchs ausverkaufte Münchner Zenith – und hinterließ nichts als einen kühlen Schauer auf der Haut. War sie tatsächlich da, aus Fleisch und Blut? Oder wurde man Zeuge einer 3D-Projektion, die es nicht schafft, das Herz zu berühren? So leblos, so blasiert. Ein Konzert als Videospiel.

Dabei begann alles vielversprechend. Jede Menge kleine Lanas waren nach Freimann getippelt, hübsch anzusehen, das olle Zenith als Münchens größter H&M. Die Schotten-Vorband Kassidy machte auch Freude, mit folkigem Hippiesound, irgendwo zwischen Mumford & Sons und Mando Diao, die T. Rex covern.

Danach wurde es anstrengend. Vor dem Auftritt traktierte Del Rey ihr Publikum mit Strawinskys Ballett-Schocker „Le Sacre du Printemps“, und es klang wie „Psycho“ kurz vor dem Zustechen. Hauptsache cool, bis zur Leichenstarre. Und es blieb morbid. Im Blumen-Kimono enterte Miss Lana die als heruntergekommener Art-Déco-Albtraum gestaltete Bühne mit Papp-Löwen und Kerzenständern, spulte im immergleichen trägen Düster-Ton ihr Repertoire von „Blue Jeans“ bis „Blue Velvet“ ab.

Dazu der Bewegungsradius von Roy Makaay. Sportfreund Scholl hätte gesagt: „Man hat Angst, dass sie sich wundliegt.“ Leider ist nichts authentisch an der ehemaligen Lizzy Grant, nicht ihr Name, nicht ihr Look, nicht ihre Musik, nicht ihr Lachen, das sie pflichtgemäß einstreut. Das spürte im Schlummerland von Freimann auch das unentwegt plappernde und giggelnde Fan-Volk.

Die angebliche Pop- und Mode-Ikone Del Rey – enttarnt als bald vergessenes Ikönchen. jörg heinrich

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